Von Mevrovo und entspanntem Fahren #Tag 13 und 14

Wow, was haben wir schon für Berge hinter uns gelassen! Allein in Albanien sind wir über 7000 Höhenmeter gefahren… Kein Wunder also, dass das nicht spurlos an uns vorrüber gegangen ist.

Donnerstag: Es ist 7 Uhr morgens, der Wecker klingelt und wir haben wenig Motivation aufzustehen. Die gestrige Etappe sitzt uns in den Knochen und Vincent ist ein wenig angeschlagen. Obendrein ist es nocheinmal deutlich kälter geworden und der Regen hat sich in Schnee verwandelt. Wir lassen uns viel Zeit beim zusammen packen und frühstücken. Es gibt Müsli mit einem ordentlichen ‚Fruchtcocktail‘, wie Vincent so schön sagt. Unsere Sachen sind über Nacht gut getrocknet, worüber wir bei den heutigen Temperaturen von 3°C nur heilfroh sind.

Die Aussicht von unserem Zimmer über der Tankstelle..

Gegen 10 Uhr überwinden wir uns dann endlich, auf die Räder zu steigen und nachdem wir einen Abstecher bei einer mazedonischen Sparkasse gemacht haben, wo wir uns mit Denar (en?) eindecken, führt uns unsere Route in Richtung Norden.

Nach der Raiffeisenbank in Albanien begrüßt uns in Mazedonien die Sparkasse.

Die Schneebedeckten Berge schüren in uns die Erwartung, dass wir heute noch einen Schneemann bauen können. Daran haben wir in Griechenland, bei teilweise über 30 Grad in der Sonne, noch nicht gedacht. Wir fahren kontinuierlich leicht bergauf, doch immer eine gut asphaltierte Straße entlang. Links und rechts von uns heben sich die Berge immer weiter, doch wir fahren immer an einem Fluss hinauf. Schon sind wir im Mavrovo-Nationalpark angelangt!

Das Eingangstor zum Mavrovo Nationalpark.

Mavrovo ist ein großenteils gut geschütztes Naturschutzgebiet, in dem sogar Bären und Luchse leben. Von denen bekommen wir leider nichts zu sehen, denn wir fahren weiterhin auf der einzigen gut ausgebauten Staße durch dieses Gebiet. Die Alternative wären ähnliche Schotterpisten gewesen, wie wir sie vor zwei Tagen schon ausgiebig ausgekostet haben. Trotz wenig Tierwelt ist die Landschaft jene, an der man sich nicht sattsehen kann. Wie eine Art Canyon.

Da wir von den niedrigen Temperaturen ausgelaugt und schon wieder hungrig sind, beschließen wir nach 20 Kilometern schon unseren Boxenstop einzulegen. Sämtliche Orte entlang der Straße liegen allerdings ein gutes Stück höher, weshalb mal wieder Strampeln angesagt ist – die heutige Etappe ist trotzdem nichts im Vergleich zu den albanischen Bergen. Während wir einkaufen und essen, fängt es an ein bisschen mehr zu schneien. Neben uns liegt eine Schule, weshalb ein reges Treiben herrscht.

Ohne Bewegung wird uns ziemlich kalt, weswegen wir uns bei einem Kaffee im Red Caffe aufwärmen. Direkt daneben liegt sehr einfallsreich das Blue Caffe.

Statt dem Regen von gestern, bekommen wir heute ganz leichte Schneeflocken ins Gesicht, was durchaus angenehmer ist. Dennoch wird uns nicht kalt, da wir weiterhin steigen. Trotz eines ausgeschriebenen Nationalparks, liegt überall Müll am Straßenrand. Das Bewusstsein für den Naturschutz ist hier nur bei den wenigsten angekommen. Immerhin sehen wir ein Auto, in dem zwei Männer zumindest die Getränkedosen und Plastikflaschen aufsammeln. (Vermutlich für den Pfand? Ob es den hier gibt, sind wir uns nicht sicher.) 

Die Schlucht, durch die wir fahren, ist teilweise über 100 Meter tief und aus den Steilhängen links und rechts plätschern mal kleinere und mal größere Wasserfälle hinunter, die den Fluss neben uns speisen.

Vom Stausee in Debar aus, erreichen wir guter Dinge den Mavrovosee (ebenfalls aufgestaut), an dem sogar ein Skigebiet liegt, was wir uns aufgrund der weißen Berggipfel lebhaft vorstellen können. Die Schneegrenze reicht jedoch nicht auf 1300 Meter hinab, sodass wir die 15 Kilometer Abfahrt vor uns ohne Probleme genießen können.

Der Stausee vor der Stadt Debar..
Im Nationalpark finden wir den Mavrovosee, in den Bergen dahinter befindet sich sogar ein Skigebiet.

Nach einer sehr schönen Abfahrt, für die wir noch zwei Jacken extra angezogen haben, befinden wir uns in einem kleinen Örtchen nicht weit von Gostivar und genießen das bisschen Sonne, was durch die Wolken dringt. Von hier aus haben wir morgen noch ungefähr 70 bis 80 Kilometer bis nach Skopje, wo wir den zweiten Pausentag einlegen wollen. Also sparsames Programm, weshalb wir uns nach einer Übernachtungsmöglichkeit umschauen. Direkt neben uns steht ein sehr schick aussehendes Hotel direkt an der Straße. Vincent fragt kurzerhand nach, in der Erwartung, wegen zu teurer Zimmer weiterfahren zu müssen. Wir kommen jedoch für umgerechnet 20 Euro in einem sehr luxuriösen Doppelzimmer unter und haben sogar eine eigene Dusche! Wir hätten zwar gerne irgendwo das Zelt aufgeschlagen, doch um zu vermeiden, richtig krank zu werden, siegt heute die Vernunft. (Wir hören in Gedanken schon das erleichterte Aufseufzen unserer Eltern.) 

Ein paar Nudeln gekocht, setzten wir uns aufs Bett und schauen nach einer gefühlten Ewigkeit den ‚Tatort‘, was wir uns schon länger mal vorgenommen hatten. Da fühlt man sich fast wie zu hause…

Freitag: Ausschlafen ist angesagt! Den Schongang eingelegt, starten wir in den neuen Tag… Wir haben das Frühstück mitgebucht, was wir uns jetzt schmecken lassen. Ganz anders als sonst, ist dieses zur Abwechslung mal herzhaft. Es gibt Omelette und eine Nudelsuppe. 

Es ist schon 11 Uhr, als wir mit gepackten Rädern aufbruchbereit sind. Das ist kein Problem, denn es geht fast kontinuierlich bergab. Wir fahren eine recht unspektakuläre, aber gut asphaltierte Straße durch relativ dicht besiedelte Gegend entlang, bis wir Tetovo erreichen. Unterwegs kommen wir an vielen Moscheen vorbei, darunter auch die erste, die mit einem Baugerüst versehen ist.

Gefühlt steht hier an jeder Straßenecke eine Moschee. Überall ragen Minaretttürme empor und des öfteren sind die Gebetsrufe eines Muezzins zu hören. Das lässt uns wieder klar werden, dass wir noch weit von zu Hause weg sind. Das Motel, in dem wir genächtigt haben, hätte uns das beinahe vergessen lassen, denn vong der Einrichtung her hätte es auch überall in Deutschland stehen können.

Wir finden in Tetovo einen Supermarkt und einen Bäcker (das ist nicht schwer, denn alles ist damit zugepflastert) und wir setzen uns auf eine Art Platz, der sehr belebt ist mit Menschen, allerdings auch mit Autos zugeparkt ist. Wie es der Zufall will, spricht uns ein Mann auf deutsch an, wo wir herkommen. Er hat 11 Jahre in Waldau (Kassel) gearbeitet und erzählt uns von seinen Erfahrungen dort. Scheinbar sind ca. 80% dieser Ecke der Stadt schon in Deutschland gewesen oder sprechen deutsch, da dort und in anderen Ländern in Westeuropa deutlich bessere Arbeitschancen existieren. Das Gespräch wendet sich ins politische und er klagt über die hohe Verschuldung und die Korruption der Regierung. Seine Kinder hätten hier keine Zukunft und denken darüber nach, ebenfalls ins Ausland zu gehen. Außerdem zeigt er auf den Berg neben uns, auf dem eine Burgruine zu sehen ist. Genau dort habe der Krieg gegen den Kosovo begonnen, weshalb er zurück nach Mazedonien gekommen sei. Für uns ist es kaum vorstellbar, an dem Ort zu sein, an dem vor wenigen Jahren noch Kämpfe gewütet haben. Die Spuren sind hauptsächlich in Form von Friedhöfen zu sehen, von denen es hier eine Menge gibt.

Leider müssen wir weiter, nachdem wir über eine Stunde zugehört haben. Geschichten wie diese haben wir bisher erst wenige gehört, denn überall wo viele Touristen entlang kommen, wie in Mavrovo oder auch Skopje, wie wir erfahren haben, scheint es den Menschen deutlich besser zu gehen. Bei der restlichen Bevölkerung kommt allerdings bisher nichts davon an.

Das erfahren wir am eigenen Leibe, als wir nach Skopje hinein fahren, nachdem wir unspektakulär an einer Autobahn entlang gefahren sind (direkt daneben führt eine kleinere, weniger befahrene Straße parralel entlang). 

Links die Autobahn, auf der wir zum Glück nicht langfahren müssen.. trotzdem kein Highlight unserer Route.

Überall stehen prunkvolle Bronzestatuen und Denkmäler – die Gebäude im Stadtkern sind höchstmodern und stehen denen in anderen großen Städten der Welt in nichts nach. Etwa ein drittel der gesamten mazedonischen Bevölkerung lebt in der Hauptstadt, da sie sich hier -gut vorstellbar – bessere Chancen erhoffen.

Mehrere Kilometer geradeaus geht es auf einem bestens ausgebauten Fahrradweg entlang in Richtung Stadtmitte.

Wir finden unser Hostel recht schnell und laden erleichtert unsere Sachen ab. Leider können wir hier nur eine Nacht bleiben, da für morgen schon alles ausgebucht ist.. das haben wir nicht erwartet, doch im näheren Umfeld gibt es noch mehrere andere Hostels, weswegen wir uns an diesem Abend wenig Gedanken darüber machen. Für uns zählt jetzt nur noch Essen und Schlafen. Nicht weit vom Hostel  (Shanti-Hostel) finden wir den Italiener, der uns empfohlen wurde und es gibt sehr leckere Pizza.

Vom Straßenrad zum Mountainbike #Tag 10,11 und 12

Die Pause in Tirana hat uns sehr gut getan und war auch perfekt getimed, denn das Wetter hat eine Kehrtwende von fast zwei Wochen durchgehend Sonnenschein zu dunklen Wolken und Gewitter hingelegt! Im Milingona Hostel haben wir viel Zeit mit Entspannung, Blogpost-Schreiben und Unterhaltungen verbracht…

Montag: Der Versuch auszuschlafen gelingt uns mehr oder weniger gut. Seit wir unterwegs sind, stehen wir zwischen sechs und sieben in der Früh auf, um möglichst viel vom Tag zu haben und so wachen wir aus Gewohnheit nicht viel später auf. Unsere Schmutzwäschetüten sind zum bersten gefüllt, da wir seit Athen nicht ein Mal gewaschen haben… Es wird also höchste Zeit dafür! Während die Klamotten vor sich hin trocknen, sitzen wir in einer der super gemütlichen Sitzecken und schreiben Tagebuch, lesen oder kümmern uns um diverse Dinge, die sonst zu viel Zeit in Anspruch nehmen. Der Vormittag vergeht jedenfalls wie im Fluge.

Foto?

Mit den Volunteers im Hostel, die für ein paar Wochen gegen Unterkunft und Verpflegung an der Rezeption arbeiten, gehen wir mittags in ein sehr gutes und dennoch günstiges Restaurant, in dem viele Arbeiter aus der Umgebung Essen gehen. Danach schlendern wir ein wenig durch die Stadt, von der wir bis auf ein paar wenige Eindrücke noch nicht viel mitgenommen haben. 

Als wir zurück kommen, gibt es ein lustiges Wiedersehen mit Sarah und Magdalena (hoffentlich richtig geschrieben?). Die beiden sind mit dem Auto durch den Balkan unterwegs und wir haben sie schon im Hostel in Himarë getroffen. Auf dem Weg von Butrint nach Himarë haben sie uns unbemerkterweise außerdem auch noch zweimal überholt. Wie klein die Welt doch ist…

Eine nette Bekanntschaft! Vielleicht sieht man sich in Deutschland 😀

Der Abend gestaltet sich sehr bunt. Leon hat eingekauft und jetzt werden Pancakes gemacht – 1kg Mehl, 1l Milch… zu viel für zwei Personen. Alles übrige wird mit den anderen Hostelgästen geteilt, die alle zusammen gekommen sind. Am nächsten Tag werden zwei der Volunteers weiterreisen, weswegen ordentlich gefeiert wird! Laute Musik, Bier und gutes Essen – der perfekte Abschluss eines freien Tages.

Awesome Guys from Australia! Backpacker-Hostels sind einfach unschlagbar, um nette Leute zu treffen!

Dienstag: Wahnsinn, wie sich alle Sachen schon wieder verteilt haben! Da wir einen Schlafraum mit sechs Betten für uns allein hatten, haben wir uns natürlich ordentlich ausgebreitet! Um heute noch den bisher größten Berg zu schaffen (leider werden die in den nächsten Wochen noch weiter wachsen), versuchen wir früh wegzukommen. Mit Sack und Pack fahren wir noch durch die Stadt, kaufen ein leckeres Frühstück und machen einen Abstecher in eine Buchhandlung, um einen kurzen Satz in das Anne-Frank-Tagebuch zu bekommen – auf albanisch, versteht sich.


Sofort hinter dem Stadtkern beginnt das Gelände zu steigen. Sobald wir die ersten Serpentinen erklommen haben, eröffnet sich uns ein sehr schöner Blick auf die Stadt, die wie in einem Kessel von Bergen umschlossen ist. Unversehens gelangen wir sogar so hoch, dass sich in der Ferne das Meer erahnen lässt! Niemals hätten wir gedacht, so weit über die gegenüberliegenden Berge blicken zu können. 

Bergauf, ein wenig bergab und weiter bergauf kämpfen wir uns auf immer schlechter werdenden Wegen entlang. Vincent als eingefleischter Mountainbiker hat weniger Probleme als Leon, der sonst nur mit einem Rad die Berge rauf und runter fährt. Doch an einigen Passagen bleibt uns beiden nichts anderes übrig, als zu schieben. Das gilt hinauf wie hinunter, denn der Track vom GPS führt uns teilweise singletrailartige Wege (fürs Mountainbike etc geeignet) entlang.

Mit ca. 50 Kilo die Berge rauf und runter… das lässt einen durchaus mal fluchen.
Noch ist der Weg gut befahrbar. Nur die Steigung macht sich bemerkbar.
Eine Art Flussbett ist zu viel zum fahren.. ab hier muss das Rad geschoben werden, was nicht wirklich leichter geht.

Eine unglaublich schöne Landschaft entschädigt unsere Mühen den Berg hinauf. Dennoch sind wir uns ein wenig am sputen, denn für den Abend sind wieder Regen, Blitz und Donner angekündigt. Als wir den höchsten Punkt des Tages erreicht haben, erwartet uns eine unangenehme Abfahrt. Grobe Steine, kleine Wasserrinnsale und schlammiger Sand bilden die Wege. Dazu oft Gefälle von 10% und deutlich mehr. Das haben wir uns definitiv anders vorgestellt. Wir sind froh, am heutigen Tag überhaupt 50 Kilometer geschafft zu haben. Im Gegenzug sind wir 1900 Höhenmeter gefahren, was wir im nachhinein immernoch ziemlich verrückt finden.

Fern von Zuvilisation, bis auf einen einsamen Bauernhof in den Bergen, füllen wir unsere Flaschen an Quellen auf.
Idyllische Natur pur! An vielen Stellen sind jedoch Bunker zu finden. Überbleibsel eines Krieges, der noch nicht lange zurück liegt.

Gegen fünf Uhr entschließen wir uns, den Abstieg für heute zu beenden und schlagen nicht weit eines kleinen Dorfes unser Nachtlager auf. Hin und wieder laufen Leute an uns vorbei ins Tal hinunter, doch niemanden stört es, dass wir hier wildcampen. Ohne einen größeren Ort mit Supermarkt oder Bäcker seit dem nahen Umland von Tirana, sind wir etwas aufgeschmissen, was unser Abendessen angeht. Das Müsli, was wir normalerweise morgens essen, wird jetzt zusammen mit einer Tasse Tee verspeist.

Zum ersten Mal mit allen Seilen gesichert, in Erwartung eines Unwetters, steht unser Zelt auf einer Wiese mit gigantischem Panorama.

Was für ein Timing! Kaum ist der Tee fertig, fängt es an zu regnen. Wir verkrümeln uns ins Zelt und machen es uns mit Musik, leckerem Nachtisch und plätschern auf das Zeltdach so richtig gemütlich. In den folgenden Stunden windet es sehr stark, der Regen wird heftiger und auf jeden Blitz folgt ein schneller Donner… Wir hocken mitten im Gewitter, doch sind gut geschützt und fühlen uns sicher. Ruhiges Schlafen ist uns allerdings nicht vergönnt.

Mitwoch:
Heute morgen braucht uns nichts zu wecken, wir konnten fast die gesamte Nacht beide kaum ein Auge wegen des starken Regens & Gewitters zu machen. Doch dank unseres bisher gut bewährten Zeltes konnten wir im trockenen und warmen Schlafsack dem Naturspektakel lauschen. Doch die Hoffnung, dass sich der Regen bis zum Aufstehen am frühen Morgen verzieht, erlischt leider und so müssen wir im Nieselregen unserer nasses Zelt einpacken. Mit leerem Magen machen wir uns auf den Weg oder besser gesagt eher den Bach hinunter. Denn der Trampelpfad zwischen den idyllisch grünen von Schafen bestens gemähten Wiesen hat sich über die Nacht zu einem kleinen Bergbach entwickelt, der uns das runterfahren erheblich erschwert.



Wenige Minuten später kommen wir im ersten Tal an, wo sich ein reißender Strom entwickelt hat, wo eigentlich mal unser Weg war. Glücklicherweise finden wir ein wenig abseits eine Fußgängerbrücke, welche uns ans andere Ufer bringt. Dort treffen wir auf einen alten Mann, der uns mit viel Zeichensprache und dem albanischen Wort "Kafe" zu einem Kaffee in einer winzigen Bar einlädt. Gestärkt mit diesem kalten sehr süßem Getränk, was dem gewohnten Kaffee in der Farbe ähnelt machen wir uns weiter zum Frühstücksort Klos.






Das ist selbst für Mountainbiker etwas schmal...
Doch obwohl wir zeitig um 7:40 auf die Räder gestiegen sind kommen wir erst über drei Stunden später in Klos an. Für die 20 km brauchen wir eine gefühlte Ewigkeit, da es neben der schlechten Straßen auch noch schlechtere Abschnitte gibt wo geschoben werden muss. Ein kleines dejà-vu an die gestrige Mountainbike-Etappe. Neben dem nicht aufhören wollenden Nieselregen und niedrigen Temperaturen um die 7°C erschwert uns auf der letzten Abfahrt zusätzlich einsetzender Nebel die Sicht. Als wir kurz vor Klos dann endlich wieder auf asphaltierte Straße stoßen, kann Vincent einen Freudenschrei nicht zurückhalten. Endlich mal wieder rollen lassen ohne mit den Finger ständig den Bremshebel maltretieren zu müssen. In Klos plündern wir mit knurrendem Magen den erstbesten Supermarkt den wir finden. Während Vincent einkauft, macht sich Leon auf die Suche nach einer Bäckerei. Als Vincent mit prall gefüllten Taschen aus dem Laden geht, kommt ihm Leon mit einem fetten Grinsen auf dem Gesicht entgegen: "Ich habe zwei Brote, Brötchen und Eis. Das beste dabei, es war alles umsonst!". Leon hatte den deutsche-sprechenden Bäcker zufällig soeben auf der Straße getroffen, welcher ihm prompt mit seinen Köstlichkeiten beglückte. Was für ein unglaublich nette gastfreundliche Geste einmal wieder!
Selbst in den entlegensten Bergregionen findet man schmuckvolle Moscheen.
Nach einem Brunch auf der Supermarkttreppe nehmen wir die letzten 50 km bis nach Debar, unserem heutigen Etappenziel kurz hinter der Grenze zu Mazedonien in Angriff. Die durchgehend asphaltierte Strecke bis zur Grenze heißen wir nach zwei Tagen hardcore Gelände sehr willkommen und kommen gut voran. Am späten Nachmittag kommen wir dann durchnässt aber gespannt, was das neue unbekannte Land uns zu bieten hat an der mazedonischen Grenze an. Auch schon wie an der albanischen Grenze vor einigen Tagen läuft hier alles reibungslos und wir fahren die letzten Kilometer nach Debar. Einer unser ersten Eindrücke des Landes kurz hinter der Grenze ist eine gigantische Müllkippe, welche bis unmittelbar an die Straße reicht. Wir sehen einigen Hunde auf dem Müll rumtrollen und nach noch verwerbarer Biomasse suchen. Doch dieser erste Eindruck mit dem dazu schlechten Wetter soll nur kurze Zeit später durch einen großartige Erfahrung vergessen sein. Wir hatten uns schon am Morgen darauf geeinigt eine bedachte Unterkunft in Debar zu nehmen, um einmal alles wieder trocknen zu können. So machen wir uns angekommen in Debar auf die Suche. Nachdem wir ein paar nicht englisch-sprechende Männer erfolglos nach einem Hotel gefragt haben stoßen wir zufällig auf eine nette Dame, welche uns im gebrochenem Englisch erklärt, sie werde uns ein günstiges Hotel zeigen. Wir sollten einfach nur ihrem Auto folgen. Leichter gesagt als getan, denn kaum sitzt sie im Auto beschleunigt sich so stark, dass sie fast außer Sichtweite gerät. Als wir sie wieder erreichen, fragt sie nur ganz lässig aus dem Fenster: "Are you tired?". Nickend und sich den Rest denkend folgen wir ihr weiter durch die halbe Stadt, bis wir vor einer Tankstelle halten. Erst denken wir, ihr ist dank der sportlichen Fahrweise der Sprit ausgegangen. Doch als sie aussteigt und uns heranwinkt, begreifen wir. Die Tankstelle besitzt ein zweites Obergeschoss, welches über Gästezimmer verfügt. Wir danken der Frau vielmals und als Leon seine letzten Schoko-Ostereier hervorkramt, meint die Frau ob wir nicht hungrig seien. Da wir seit dem Brunch nichts mehr zu uns genommen haben, sind wir es natürlich und die Frau meint, sie würde uns in einer Viertelstunde Essen bringen. Verdutzt von dieser großen Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft beziehen wir unser Zimmer und haben das Glück die einzigen Gäste der Tankstelle zu sein. So können wir unseren gesamten durchnässten Sachen ungehindert ausbreiten und tatsächlich wird uns zu allem Überdruss eine Viertelstunde später warmes Essen gebracht.
Einmal alles trocknen bitte 🙂

Gëzuar Pashkët! Ostern in Albanien #Tag 8 und 9

Der zweite Teil der letzten Tage! Wir entschuldigen die fehlenden Bilder beim letzten Blogeintrag, wir hatten zwischenzeitlich Probleme mit der Internetverbindung, da das Netzwerk überlastet war 😉 Die Bilder sollten jetzt für alle sichtbar sein. 

Samstag: Das Himara Hostel ist ein unglaublich schöner Zwischenstop gewesen! Die Nacht in den Hängematten unter Orangenbäumen und dem Blick in einen klaren Sternenhimmel ist mit nichts zu vergleichen.. Das Summen unzähliger Bienen ist an diesem Morgen aus den blühenden Bäumen zu hören, während wir wie üblich vor dem Frühstück alle Sachen zusammen packen. Unser Zelt ist zum Glück in einer trockenen Nacht gut ausgelüftet (da wir es vor zwei Tagen nass einpacken mussten und in Xarrë nicht ausgepackt haben, hat es angefangen, muffig zu riechen).

Ein Schnappschuss von Vincent in der Hängematte früh am Morgen.

Wir haben uns da ungewollt ziemlich viel vorgenommen für den heutigen Tag. Deshalb hauen wir beim Frühstück, das im Preis inbegriffen ist, ordentlich rein. Mit netten Worten zum Abschied von den anderen Hostelgästen, starten wir die erste große Bergetappe unserer Tour. 230 Kilometer sind es noch mindestens bis Tirana, sodass wir uns wenig Hoffnung machen, wie geplant am Ostersonntag dort anzukommen. Mit einer Mischung aus Euphorie und Ernüchterung zugleich radelt es sich die ersten Kilometer mehr oder weniger beschwingt dahin. Als wir dann tatsächlich vor dem Llogara-Berg stehen, sehen wir, dass die Straßenführung, wie sie auf einer Karte zu sehen ist, fast eins zu eins auch mit der frontalen Sicht auf den Berg übereinstimmt.

Während der Berg größer und größer wird, werden wir immer kleiner und kleiner.

Schneekettenpflicht auf der Passstraße, anscheinend kann es hier im Winter auch ordentlich kalt werden.

Immer kleiner fühlt man sich, wenn man die Passstraße empor fährt. Die Aussicht wird dafür immer besser! Ca. anderthalb Stunden brauchen wir für die 900 Höhenmeter (am Fuße des Berges startet man auf ungefähr 130 Metern über NN). Unterwegs fahren viele Autos an uns vorbei mit teils begeisterten, teils ungläubigen Fahrern. Die meisten Hupen uns zum Ansporn zu. Oben angekommen sind wir fast schon enttäuscht, denn es ist nirgendwo ein Passschild zu erkennen.. Wir beobachten noch zwei Gleitschirmflieger, die kurz davor sind zu starten, dann kehren wir den Llugarapass den Rücken zu und beginnen die Abfahrt. 

Die Aussicht von fast ganz oben, zwei Paraglyder machen sich bereit zum Abflug.

Das Gipfelfoto, nach einer gefühlten Ewigkeit haben wir es endlich bis oben geschafft.

Was für ein erhebendes Gefühl das ist, auf die beschilderte Höchstgeschwindigkeit herunter bremsen zu müssen! Ungefähr 20 Kilometer in einer halben Stunde – wenn das nur immer so wäre… Bis ans Meer schaffen wir es noch, dann schreit alles nach einer Pause und vor allem nach ESSEN! Bei einer Art Dönerbude bestellen wir uns jeweils zwei Dönertaschen, die mit Pommes statt mit Fleisch gefüllt sind.

Satt und zufrieden steigen wir wieder auf die Fahrräder und schauen, wie weit wir noch kommen. Zunächst geht es durch Vlorë, einer sehr mit Hotelburgen zugepflasterten Küstenstadt (gefällt uns gar nicht). Wir halten nur an einer sehr schönen Moschee an, in die wir kurz hineinschauen. Ein paar junge Männer (etwas älter als wir) begutachten interessiert unsere Ausrüstung und wir kommen mit ihnen ins Gespräch – unter anderem mal wieder über Fußball..

Ein bisschen Träge aber noch mit Reserven setzen wir die Etappe fort. Ziemlich flach geht es mit dem Wind im Rücken erstaunlich gut voran, sodass wir in die Region um Fier kommen. Wir sind tatsächlich noch über 100 Kilometer gefahren! Ausgelaugt suchen wir in der dicht besiedelten Gegend nach einem Campingplatz oder ähnlichem, denn zum Wildcampen sind hier zu viele Leute. Nachdem wir vergeblich bei einem Wildpark mit kleinen mietbaren Hütten im Wald vorbei gefahren sind, fällt uns eine der vielen Bauruinen auf, deren trostloses Betonskelett am Straßenrand steht. Die Wiese dahinter sieht sehr einladend aus, doch ein Trampelpfad führt hinauf zu ein paar bewohnten Häusern, weshalb wir beschließen, dem nie fertiggestellten Haus einen Sinn zu geben, und für diese Nacht dort zu nächtigen.

Die Luxusvilla für eine Nacht: Entlang einer ehemaligen Hauptverkehrsroute, die durch eine Autobahn in der Nähe abgelöst wurde, stehen, wie auch überall sonst in Albanien, leer stehende, nie fertiggestellte Häuser.

Zwischen Bauschutt, Brombeerranken und herumliegenden Ziegelsteinen schlagen wir unser Lager auf – dank einem Dach über dem Kopf brauchen wir die zweite Nacht in Folge nichtmal ins Zelt zu steigen. Aus den Ziegelsteinen bauen wir uns einen kleinen Tisch und kochen Nudeln mit Pesto, ein schnelles, bewährtes Essen, denn zu mehr sind wir nicht mehr fähig. Auf die Partybeleuchtung aus unseren Little-Sun-Solarplatten verzichten wir dann doch, da in Sichtweite noch andere Häuser stehen.

So wohnlich kann man sich eine Bauruine in nur einer Nacht einrichten 😀


Sonntag: Wie sonst auch wachen wir auf und fallen in unseren normalen Morgenrhytmus: Aufstehen, zusammenpacken, Fahrräder beladen. Als wir die Räder aus dem Haus schieben bemerkt Vincent: „Jo Leon, es ist Ostern!“. Nicht zu fassen, dass wir das vergessen konnten. In Albanien und insgesamt auf der Fahrradtour verfliegt die Zeit dermaßen schnell und es kommt noch dazu, dass die Geschäfte die ganze Woche geöffnet zu sein scheinen. Für einen großen Teil der Albaner ist heute auch ein ganz normaler Tag. Wir feiern diesen Tag allerdings mit den mitgebrachten Ostereiern aus Deutschland, die Leon den ganzen Weg dabei hatte. Wir fahren nach Fier hinein und packen ein großzügiges Osterfrühstück aus.

Frohe Ostern!

In Fier läuten alle paar Minuten die Glocken einer nahe gelegenen Kirche und wir sehen einige sehr schick angezogene Leute auf der Straße vorbei laufen. Ansonsten scheint alles sehr normal zu sein. Alles eingepacken und weiter gehts in Richtung Norden. Zum Glück ist die heutige Strecke nicht mehr so bergig, sodass wir vor der Mittagspause sehr gut voran kommen, obwohl uns die meiste Zeit ein leichter Gegenwind entgegenpustet. In Kavaje haben wir ordentlich Kilometer hinter uns gelassen, sodass wir entspannt eine Pause einlegen. Die Banner, die über der Straße aufgespannt sind, verkünden ‚Gëzuar Pashkët‘ – Frohe Ostern! Auf dem Weg sind uns ein paar Trommler und kleinere Ensembles begegnet, die fröhliche und laute Musik spielen. Es wird auf eine ganz andere Art das Osterfest gefeiert.

Ein Banner über der Straße wünscht frohe Ostern auf albanisch.

Noch gut 50 Kilometer trennen uns jetzt von Tirana. Das ist auf jeden Fall machbar. Unsere Beine sind von den Strapazen etwas müde, doch wir haben uns für den morgigen Tag vorgenommen, richtig zu entspannen und Energie zu tanken. Also heißt es: ab aufs Rad und weiter gehts. Kurz vor der Küstenstadt Durrës biegen wir von der Küste ins Landesinnere ab, wo uns ein heftiger landschaftlicher Wandel erwarten wird. Hier heißt es nun etwas wehmütig Abschied nehmen vom Meer und vom milden Frühlingsklima, das uns die letzten neun Tage durchweg begleitet hat. Ordentlich steil fahren wir einen Hügel hinauf, von wo uns noch ein letzter Blick auf das Meer vergönnt ist.

Der Abschied vom Meer und zugleich die erste Schiebepassage auf unserer Tour.

Kaum zu glauben, dass wir auf unserer Tour nicht ein einziges mal mehr an ein Meer fahren werden. Dafür freuen wir uns auf die bergige Landschaft des Balkans, die uns mit Sicherheit auf die Probe stellen wird.

Auf Straßen, die abwechselnd aus Schotter, Schotter mit viel Sand, Schotter mit großen Schlaglöchern und schließlich wieder aus Asphalt bestehen, fahren wir nach Tirana hinein, vor den Augen eine gewaltige, wolkenverhangene Bergkette. Man hat uns davor gewarnt, in der Rushhour in die Stadt hinein zu fahren, da dann alle fahren, wie sie es für richtig halten. Zum Glück geht es für uns verkehrstechnisch sehr entspannt zu, sodass wir uns einzig und allein auf die Suche nach dem Hostel konzentrieren können, was sich als äußerst schwierig herausstellt. Wir fragen uns durch und erfahren, dass der Flyer, den wir aus Himarë mitgenommen haben veraltet ist. Das Hostel ist umgezogen, sodass wir eine geschlagene Stunde brauchen, bis wir unser Ziel erreicht haben, zuletzt mit der Hilfe eines sehr eifrigen Mannes, der uns auf seinem Rad unbedingt den Weg zeigen möchte. Wieder einmal zeigt sich hier die unglaubliche Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft, die uns schon zuvor in Albanien begegnet ist. Zum Abschied bekommt er ein Osterei geschenkt, das jeder heute bekommen hat, mit dem wir in Kontakt gekommen sind.

Der Innenhof und der Ausblick vom Hostel, sehr zentral in der Innenstadt gelegen.

Ein bunter Haufen der üblichen Backpackers aus aller Welt begrüßt uns im Hostel (Milingona Hostel) und wir bekommen ein sehr schönes Zimmer, in dem wir uns nach Lust und Laune ausbreiten können. Nachdem wir uns eine Weile mit verschiedenen Leuten unterhalten haben, geduscht und erfrischt sind, gehen wir ein paar Straßen weiter in ein kleines traditionelles Lokal. Sehr leckeres und günstiges Essen! 
Zurück im Hostel quatschen wir uns noch ein bisschen fest, was uns angesichts der genialen Geschichten, die wir zu hören bekommen, nicht Leid tut. Danach bleibt uns aber nicht mehr viel, als hundemüde ins Bett zu kippen. Es hat angefangen heftig zu Gewittern und die Nacht hindurch ist immer wieder der Regen zu hören…

Bye bye Griechenland, Albanien wir kommen! #Tag 6 & 7

Hier melden wir uns endlich mal wieder. Es ist viel passiert, seit wir Griechenland verlassen haben. Deshalb schreiben wir zu den letzten vier Tagen zwei Einträge… hier nun Teil 1.

Donnerstag:

Es ist Donnerstag Morgen, wir kriechen aus unserem Zelt, inmitten eines in Brach liegenden Maisfelds, nach einer erstaunlich bequemen Nacht auf einem harten, ausgetrockneten Boden. Wir packen unsere sieben Sachen, nun schon deutlich routinierter und schneller als noch vor ein paar Tagen und machen uns auf den Weg.

Nach ein paar Kilometern den Berg hoch sind wir beide schon so hungrig, dass wir uns den nächstbesten Parkplatz zum Frühstück suchen, dort liegt ein alter Kühlschrank welchen wir dankend als Tisch und Sitzgelegenheit umfunktionieren.

Gestärkt für die letzte Etappe in Griechenland und beschwingt von der Aussicht, heute noch in Albanien zu sein, fahren wir durch eine schöne, hügelige Landschaft bei wieder bestem Wetter, Sonnenschein und Mittags knapp 30° C.

Auf dem Weg begegnen wir einer Schildkröte, welche wir aus nächster Nähe ablichten können.

 

Blick zum Meer mit der Insel Korfu im Hintergrund.

 

Bei der Abfahrt nach Igoumenitsa haben wir einen traumhaften Ausblick bis auf die Insel Korfu. Griechenland zeigt sich nochmal von seiner sommerlichen Seite und wir sind erstaunt, als wir in Igoumenitsa auf Menschenmassen stoßen. Von hier aus starten viele mit der Fähre nach Korfu, doch angesichts der letzten weniger touristischen Tage sind wir doch etwas überrascht. Anscheinend ist Korfu ein nach wie vor sehr beliebtes Reiseziel, auch schon im April.

Nach einer ausgiebigen Pause machen wir uns weiter durch viel bewirtschaftete Felder voll mit Orangen-, Zitronen- und Olivenbäumen. Unterwegs treffen wir auf eine noch lebende Schlange am Rande der Fahrbahn, werden kurz darauf aber leider Zeuge davon, wie ein vorbeifahrender LKW sie gnadenlos überrollt. Nun gehört sie zu einem der vielen Kadaver, die wir immer wieder am Straßenrand sehen.

Kurz vor dem letzten kleinen Anstieg zur albanischen Grenze, fahren wir noch durch einen friedvolles, kleines Naturreservat. Ein schöner Abschluss des ersten unserer 14 Länder.

Leon: „Ich habe schon viel zu lange keinen Handstand mehr gemacht“ und setzt dieses offensichtliche Defizit sogleich in die Tat um.

 

Es ist es soweit! Am späten Nachmittag, die Landschaft ist in ein warmes Licht der tief stehenden Sonne getaucht, überqueren wir zunächst die griechische Grenze und ein paar hundert Meter weiter reisen wir in Albanien ein. Mit unseren gültigen Reisepässen geht es alles schneller als gedacht und an der albanischen Grenze werden wir sogar an der kleinen Autoschlange vorbei gewunken.

Der Grenzübergang zu Albanien!

 

Beflügelt von dem Gedanken ein uns beiden fremdes Land zu befahren und voller Glücksgefühle im Bauch radeln wir noch eine Weile durch die sanft hügelige Landschaft. Wir grüßen die Menschen am Wegesrand wie gewohnt und auf einmal meint Leon: “ Irgendwie kommen mir die Leute hier offener vor“. Dieser erste Eindruck sollte sich wenig später mehr als bestätigen…
Langsam werden wir müde und fangen an, uns nach einem geeigneten Schlafplatz umzuschauen. Wir finden eine geeignete Wiese direkt neben einem Wohnhaus und fragen die davor stehenden Leute, ob es für sie okay sei, wenn wir hier unser Zelt aufschlagen.

Auf dieser schönen Wiese wollten wir eigentlich nur zelten…

 

Leider sprechen die älteren Herrschaften kaum Englisch und sie geben uns zu verstehen, auf einen englisch-sprechenden Jungen zu warten, der gleich kommen sollte. So warten wir und fragen uns, ob sie uns zu sich ins Haus einladen wollen. Noch am Tag zuvor hatte Vincent auf einem Blog anderer Radreisenden gelesen, dass es ihnen nicht gelungen sei zu wildcampen, da sie mehrmals zu unbekannten Leuten eingeladen wurden.
Wenig später kommt Denardo, der Enkel der Leute vor dem Haus wie sich später herausstellt und lädt uns auf Anweisung seines Opas erstmal ins Haus ein zu Saft und Bonbons. Wir sind erstaunt von Denardos geradezu perfektem Englisch und er erklärt uns stolz, dass er der beste Schüler in seiner Klasse sei. Und nicht nur das, wie sich später bei einem gemeinsamen Dorfrundgang herausstellt, er ist auch offensichtlich einer der besten englisch-sprechenden Bewohner des 2000-Einwohner Dorfes Xarrë. Nach dem ersten Austausch über unsere Reise und das Leben in Albanien werden wir wie selbstverständlich dazu eingeladen, im Zimmer von Denardo und seiner Schwester zu schlafen. Völlig überwältigt von dieser außerordentlichen Gastfreundschaft nehmen wir das Angebot dankend an und haben einen unvergesslichen ersten Abend in Albanien.

Ein köstliches Abendessen bei unseren bemerkenswerten Gastgebern, rechts sitzt Denardo. Übrigens war fast alles auf dem Tisch aus eigenem Anbau & Produktion, inklusive Schafskäse, Oliven und Brot!

Karfreitag:
Als wir am nächsten Morgen in weichen Bett von der Sonne geweckt werden, wird uns erst richtig klar was uns gestern widerfahren ist. Nach einem Frühstück mit Denardo müssen wir dann aber auch leider weiter und Denardo muss zur Schule (an Karfreitag wohl bemerkt!).  Wir hatten uns zuvor mit einer Sonderration Essen eingedeckt, um sicher zu gehen, dass wir am Osterwochenende nicht vor geschlossenen Läden stehen. Doch diese Befürchtung entpuppt sich als völlig unbegründet, wahrscheinlich auch weil Albanien über 50% muslimisch ist.

Die ganze Familie, drei Generationen vereint vor deren Haus. Leon ist gefühlt schon fast Teil der Familie 😀

 

Nach den ersten Kilometern des Tages kommen wir an der kleinen Fähre über den Vivar-Kanal an, welche doch eher Floßkarakter aufweist. Mit zwei Stahlseilen werden wir zusammen mit einem Auto über den Fluss gezogen, eine witzige Erfahrung.

Auf der anderen Seite des Kanals wartet die Ausgrabungsstätte des historisch bedeutenden Ortes Butrint auf uns, welcher wir einen Besuch abstatten. Ein wirklich beeindruckendes Denkmal der Besiedlung dieser Halbinsel, welche man sich in Albanien nicht entgehen lassen sollte.

Der Vormittag in Butrint vergeht schneller als gedacht und so machen wir uns im späten Vormittag dann los am Meer entlang Richtung Norden. Die Sonne brennt wieder ordentlich und so kommen wir gut ins schwitzen, als die ersten kleinen Berge die Straße an der Küste säumen.

Im Hintergrund immer noch die Insel Korfu zu sehen.

 

Angekommen auf dem ersten Berg geht es runter und anschließend wieder hoch. So schlängelt sich die Küstenstrasse am Meer entlang und unsere Beine werden schwerer…

Eine Serpentine nach der anderen…

 

In den Orten, die wir durchqueren, fallen uns immer wieder die vielen nicht fertig gebauten Häuser auf, welche zwischen bewohnten Wohnhäusern stehen. Diese Bauruinen scheinen hier keinen großartig zu stören, sie verwildern gröstenteils einfach. Es bleibt allerdings die Frage, wie es passieren kann, dass so viele Häuser einfach nicht fertig gebaut werden. Finanzielle Misskalkulation oder vielleicht auch bedingt durch Landflucht? Wir wissen es nicht, jedoch ist es sicherlich auch ein Zeichen für den ansteigenden Tourismus in Albanien, welcher so manch einen Investor wohlmöglich zu zu viel Optimismus treibt.

Eine der vielen durchaus idyllisch gelegenen Bauruinen in Albanien.

 

Weiter fahren wir entlang der Küste, bis uns der Track auf Leons GPS von der schönen Küstenstraße auf eine Schotterpiste mitten in die Berge führen will. Angesichts der vielen Höhenmeter, die wir heute schon gefahren sind, entscheiden wir uns spontan für eine kleine Routenänderung, welches ungeahnte Folgen für den weiteren Streckenverlauf des folgenden Tages hat. Doch dies wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht und sind froh, eine scheinbar weniger bergige, asphaltierte Straße direkt am Meer entlang zu fahren.

Dieser Anblick schreckte uns etwas ab…

 

… und wir entschieden uns für diese Straße.

 

Wir entschließen uns, auf den Tipp eines Reisenden, den wir Vormittags in Butrint getroffen haben, zu hören und fahren nach Himarë (Himara). In diesem schön gelegenen Ort finden wir das Himara Hostel, welches der Inbegriff eines gemütlichen Backpacker Hostels ist. Hier treffen wir auf 2 Paare und zwei Freundinnen, alle deutsch. Wir haben einen entspannten Abend, den wir auch gut gebrauchen können. Denn wie wir beim Abendessen mit einem der Paare erfahren, müssen wir aufgrund unserer Streckenabweichung am nächsten Tag einen Pass (Llogara Pass) überqueren, welcher auf 1000 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Einerseits etwas verunsichert von dieser Hiobsbotschaft, aber anderseits auch dankbar es nicht erst am nächsten Tag vor Ort feststellen zu müssen, gehen wir müde und glücklich zu Bett.

Meer Berge, mehr Meer #Tag 4 und 5

Dienstag: Die Vögel ringsherum wecken uns ordentlich früh.. trotzdem ist es sehr schön zu lauschen. Wie schon mehrfach erprobt, packen wir erst alles zusammen und fahren noch vor dem Frühstück die ersten Kilometer bis in den nächsten Ort, Angelokastro. Erst jetzt wissen wir wieder, wo wir genau sind – manchmal ist es schwer, den Überblick zu behalten. 

Apropos Überblick: Angelokastro ist eines dieser urtypischen Dörfer Griechenlands und liegt am Hang von ein paar  (noch nicht ganz) Bergen. Eine wunderschöne Aussicht auf das Tal eröffnet sich uns!

Nachdem wir uns gestärkt und die heutige Etappe geplant haben, schwingen wir uns auf die Räder und fahren in Richtung Amfilochia, was geschätzte 80km von unserem jetzigen Standort liegt… weit verfehlt 😀 Vermutlich war der Leon noch nicht ganz wach, als er das Navi bedient hat, denn wir staunen nicht schlecht, als nach nichtmal fünfzig Kilometern das Städchen am Meer in Sicht kommt – am Ende einer Lagune wurde Amfilochia, orientiert an einem Amphitheater, halbkreisförmig ums Wasser erbaut und ist sehr schön anzusehen! Ein sehr schöner Platz, um die Etappenplanung dieses Tages nocheinmal zu überdenken und Mittagspause zu machen.

An der Promenade von Amfilochia legen wir unseren Mittagsstop ein.
In Etoliko gab es einen kleinen Unfall, bei dem Vincent mit einer Fensterscheibe aneinander geraten ist.. Er hat gewonnen und es ist ihm nichts passiert, doch kleine Korrekturen am Schutzblech müssen auf der Strecke vorgenommen werden.

Da uns die Kombi aus Sonnencreme und Schweiß nach zwei Nächten Wildcampen doch etwas sehr ungemütlich wird, haben wir beschlossen, auf jeden Fall eine Dusche aufzusuchen. Leider gibt es in der Umgebung keine Campingplätze, beziehungsweise sind diese noch nicht geöffnet. Also finden wir ein etwas herunter gekommenes aber für unsere Zwecke definitiv ausreichendes Hotel in Menidi, ein gutes Stück die Lagune entlang.

Unser Hotel, direkt am Wasser gelegen..

Unsere heutige Fahrt war nicht so lang. Am späten Nachmittag sind wir schon am Ziel angekommen und haben viel Zeit, den Ort unsicher zu machen.. doch zuerst hüpfen wir ins Meer! Das Wasser ist deutlich wärmer als erwartet, aber zum erfrischen absolut perfekt. Erfrischt geht es weiter zum Einkaufen. Unterwegs treffen wir eine Frau, die ganz gut deutsch spricht, mit der wir uns kurz unterhalten. Sehr erstaunlich, wie viele Griechen es gibt, die deutsch sprechen können.. Viele von ihnen haben in Deutschland gelebt und gearbeitet oder studiert. Wir befinden uns aber natürlich auch in einem absoluten Touristenort, wo im Juli und August viele Urlauber aus Deutschland anzutreffen sind – nicht verwunderlich, dass sich Leute mit entsprechender Sprachkenntnis dort ansiedeln.

Ein malerischer Sonnenuntergang über der Lagune.

Zum Abschluss des Tages kochen wir auf unserem Balkon – ein bekanntes Bild – ein schickes Essen.

Mittwoch: Komplett über das ganze großzügige Zimmer haben wir alle unsere Sachen verteilt.. Es ist nicht weiter verwunderlich, dass wir gemütlich in den Tag starten. Die Nacht in einem richtigen Bett hat gut getan, ans Zelt gewöhnen wir uns so langsam aber auch. Nach einem ausgiebigen Frühstück und einer Umstrukturierung in den Fahrradtaschen checken wir aus. Zunächst geht es recht flache Straßen entlang, doch schon bald entpuppt sich dieser Tag als ein riesiges Naturerlebnis! Wir verlassen die asphaltierten Wege und fahren streckenweise Schotterpisten mit vielen Schlaglöchern entlang. Nur langsam kommen wir voran, doch das ist uns gerade recht. Überall blüht das Leben! Schildkröten, Frösche, Kühe, Störche, Wasserratten und und und. Ein kleines Highlight: Zurück auf der Straße retten wir eine Schildkröte vor dem überfahren-werden uns setzen sie sicher ins hohe Gras – die gute Tat des Tages…

Saved! Immerhin ein kleines Leben konnten wir retten!
Vogelgezwitscher, summende Bienen und endlich mal kein Hundegebell… Natur pur!

Abgesehen von den vielen lebenden Tieren, die wir vor allem heute entdecken durften, ernüchtert uns das ganz andere Bild am Straßenrand durchaus. Überfahrene Dachse, Füchse, Igel, Marder und auch Hunde, von den ganzen kleineren Tieren ganz zu schweigen, liegen immer wieder traurig da..

Mittagessen vor dem Anstieg.. wir finden Platz auf der Tribüne an einem Fußballfeld. In der Ferne beginnt es zu donnern und zu blitzen..

Langsam aber sicher steigt das Gelände an, sobald wir vom Meer wegfahren. Am Ende des Tales fahren wir knapp 200 Höhenmeter auf 10 Kilometer rauf, nur um von einer Herde Ziegen überrannt zu werden, die uns in einem verlassenen Dorf voller Häuserruinen überrascht. Nach dem ersten Schrecken ist es aber ein tolles Erlebnis, eine Runde Streichelzoo zu spielen.

Über einen sehr hügeligen Schotterweg gelangen wir schließlich auf die Passhöhe – 370 Meter, nicht viel, doch unser größter Anstieg bisher. Von hier aus haben wir einen traumhaften Ausblick bis ans Meer runter. Eine asphaltierte und sehr kurvige Straße beschert uns die verdiente Abfahrt an einem Fluss entlang, begleitet von den ersten Regentropfen auf unserer Tour, die aber schnell wieder verschwinden. Wir fangen an, in der supfigen Gegend nach einem geeigneten Platz ausschau zu halten, wo wir für diese Nacht unser Zelt aufstellen können. Kurz bevor wir an die Küste kommen, finden wir ein Feld nahe einem kleinen Ort, das geschützt vor Wind und vor Blicken ideal für uns ist.

An einem Bach mit glasklarem Wasser erfrischen wir uns kurz, dann geht es weiter den Berg hinauf.
Die Aussicht auf die Bergkette, über die wir eben noch gefahren sind. Hier schlagen wir das Zelt auf.

Nachdem Vincent einen Versuch unternommen hat, ‚Gestrummtes‘ zuzubereiten (eine Art Kartoffel-Möhren-Brei), was wir uns schmecken lassen, während ein herrlicher Sonnenuntergang anzusehen ist, beenden wir diesen Tag unter dem lauten Gequarke von vielen Fröschen um uns herum. Es ist kaum zu glauben, dass wir erst vor einer Woche im Flieger nach Athen saßen!

Vom Campingplatz in die Wildnis #Tag 2 & 3

Gerade sitzen wir entspannt auf einer Bank in Amfilochia und genießen die Sonne und das Meer nach den ebenso sonnigen letzten Tagen. Aber wir wollen nichts vorweg nehmen, die Erlebnisse des heutigen Tages bis hierher werden euch bald in einem weiteren Eintrag schmackhaft gemacht.

Tag 2: 

Der zweite Tag unseres Trips startet auf dem Campingplatz kurz hinter Korinth. Wir hatten uns vorgenommen um 8 Uhr wohl genährt den schönen Fleck zu verlassen und in die Pedale zu treten.

Frühstückskulisse beim Campingplatz

Der Wecker klingelt um 7 Uhr, wir stehen auf und machen Frühstück. Es gibt noch die letzten Reste vom Müsli von daheim welches wir beim Sonnenaufgang am Meer genießen. Doch wie das auf einem Campingplatz so ist genießen wir noch die Vorteile der vorhandenen Infrastruktur (Dusche, WC, Küche, Wlan) und als wir uns dann los machen ist es schon zwanzig vor zehn. Nicht der beste Start in den zweiten Tag, dafür haben wir bei bestem Wetter fast nur flache Küstenstrecke vor uns.

So etwas haben wir noch nie gesehen, ein echtes Fahrrad eingemauert! Ein tolles Kunstwerk.

Die Strecke lässt sich sehr angenehm fahren und wir kommen durch viele nette Örtchen. Kaum hat man ein Ort verlassen, kommt man schon in den nächsten. So fahren wir die ersten 60 km glückselig am Wasser entlang und treffen immer wieder Leute am Wegesrand die nett grüßen.

Mittagspause im Schatten, Leon lockert seine Beine

Trotz der gut 30°C in der Sonne, ist es im im Schatten doch noch etwas kühl ohne Jacke. Die Natur macht zwar schon alle Anzeichen von deutschem Hochsommer, doch ist das das lediglich der milde Frühling. Ein sehr schöner Frühling! Nach der Stärkung am Mittag machen wir uns weiter gen Westen und nun wird es ein wenig hügeliger.

Unterwegs kommen wir bei diesem äußert kreativ gestalteten Stromkasten vorbei.

Gegen Abend machen wir uns langsam Gedanken, wo wir diese Nacht verbringen können. Da es immer noch recht dicht besiedelt ist sehen wir nicht die Möglichkeit des wildcampens und informieren uns zu umliegenden Campingplätzen. Doch leider liegt der nächste 17 km hinter uns und zurück wollen wir beide nicht. So fragen wir in einem Café, wo es eine günstige Unterkunft gibt und der nette Mann beschreibt uns den Weg, welcher sogar direkt auf unserer Route liegt. Wir machen uns also los, doch irgendwie wollen wir es nicht wahrhaben zum Hotel zu fahren. So suchen wir auf dem Weg in der Dämmerung eher verzweifelt als gewollt nach einem geeigneten Campingspot. Und der Zufall will es so, dass wir kurze Zeit später einem Mann begegnen, der uns einen einigermaßen geigneten Platz zwischen zwei Straßen zeigt. Wir sind etwas verwundert und er erklärt, hier sei es sicher vor Schlangen. Das leuchtet ein und so packen wir müde und doch noch etwas misstrauisch um die Eignung des Ortes unser Zelt aus.

Im Schutz der Dunkelheit mit Blick auf die Rio-Andirrio Brücke.

Tag 3:

Am nächsten Morgen klingelt der Wecker schon um 6 Uhr, um unser Lager noch im dunkeln abzubauen. Diesmal klappt unser Plan auch und wir sitzen um punkt 7 Uhr pünktlich zum Sonnenaufgang auf den Rädern.

Mit den ersten Sonnenstrahlen bauen wir das Zelt ab.

Mit noch leerem Magen aber einem guten Gefühl, so früh schon unterwegs zu sein, nehmen wir die berühmt berüchtigte Rio-Andirrio Brücke in Angriff. Sie verbindet die Peloponnes mit dem Festland und ist über 2 km lang.

Aufwärmübungen oder so ähnlich, vor der Rio-Andirrio Brücke.

Eigentlich sollte das obere Foto auch so aussehen, aber der geliebte Selbstauslöser spielte uns einen Streich 😀

Voller Elan überqueren wir im magischen Morgenlicht die Meeresenge und werden von starken Seitenwind auf der Brücke überrascht. So verschieben wir unser geplantes Frühstück auf hinter die Brücke, wo wir von netten Bauerbeitern auch Wasser bekommen.

Ein wirklich beeindruckendes Bauwerk!

Nach der ersten Mahlzeit des Tages fahren wir die Küste entlang nach Etoliko. Das Wetter spielt wie die letzten Tage wieder bestens mit und es ist sehr angenehm im Trikot und kurzer Hose zu fahren.

Langsam wird es ein wenig hügeliger.

Kurz vor Etoliko kommt uns die zweite Radreisende seit unserer Abfahrt aus Athen auf der gegenüberliegenden Spur entgegen und wir grüßen uns überschwänglich herzlich. Als sie vorbei gefahren ist ärgern wir uns ein wenig nicht angehalten und sich ausgetauscht zu haben und so nehmen wir dies uns fest für die nächste Begegung Gleichgesinnter vor.

Blick auf die kleine Insel Etoliko.

Mittags kommen wir dann in dem kleinen gemütlichen Ort Etoliko an, welcher zum Großteil auf einer winzigen Insel in einer Lagune liegt. Nach einer überaus üppigen Stärkung mit saisonalen Erdbeeren machen wir uns auf Erkundungstour der Insel.

Eine Landzunge, die von der Insel 2 km in den Süden ins Meer ragt.

Da uns die Insel so gut gefällt verbleiben wir noch eine Weile dort und machen uns auf zum ersten der vierzehn Buchläden, die wir mit unserem verbotenen Buch „Das Tagebuch der Anne Frank“ besuchen wollen. Dieses wollen wir am Ende unserer Reise mit 14 Einträgen von Buchhändlern aus 14 Ländern, mit Gedanken zu Anne Frank, dem Kunstwerk „Parthenon der Bücher“ der documenta 14 in Kassel zur Verfügung stellen.

Glücklich neben dem ersten Kommentator unseres Buches vor seinem eigenen Schreibwarenladen in Etoliko.

In einer kleinen Seitengasse werden wir dann auf der Insel tatsächlich noch fündig und treffen auf einen sehr netten Mann eines Schreibwarenladens. Auf die Frage, ob er das Buch kenne antwortet er selbstverständlich mit ja und will uns nach dem gemeinsamen Foto sogar noch etwas als Dank mitgeben. Doch wir geben ihm etwas verwirrt von der Gastfreundschaft zu verstehen, dass wir zu danken haben und verabschieden uns fröhlich.

Telefonzelle auf griechisch.

Wir machen uns dann schließlich gegen späten Nachmittag von Etoliko weiter und entdecken auf unserem Weg runter von der Insel noch diese wunderbare Telefonzelle. Und der Hammer ist, das Scheibentelefon funktioniert noch! Wir fahren noch bis in die Dämmerung und finden schließlich nach einigen missglückten Anfragen bei Bauern im Garten zu zelten einen schönen Platz unter Olivenbäumen inmitten der Natur.

Eine geruhsame Nacht mit einer tollen Geräuschkulisse von unzähligen Vögeln.

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Der Start von docLink #Tag 1

Der heutige Tag soll der erste Tag auf dem Sattel werden und wir können es kaum erwarten endlich unterwegs zu sein. Doch vorher steht noch ein Fototermin mit dem Oberbürgermeister von Kassel (Bertram Hilgen) und dem Bürgermeister Athens (Giorgos Kaminis) an, zu dem wir dank der verwirrenden Adresse beinahe zu spät kommen. Diesen Termin haben wir allein dem Zufall zu verdanken, dass Bertram Hilgen auf dem Hinflug im gleichen Flieger saß wie wir. Wirklich erstaunlich was sich manchmal aus ungeplanten Zusammentreffen alles ergeben kann! Die gemeinsamen Fotos mit der Prominenz erregen auch Aufmerksamkeit bei anderen umherstehenden Leuten, die es sich nicht nehmen lassen können ebenfalls ein paar Fotos mit uns zu schießen 🙂 

Foto mit zwei Künstlern der d14 aus Mali, Diallo Mamary und Boubacar Sadeck

Auch andere Kassler waren vor der Eröffnung anzutreffen 😀

Leider sind für die Eröffungsveranstaltung nur geladenen Gäste gewünscht sodass wir uns entscheiden schon früher als geplant auf die erste Etappe zu starten. Dies stellt sich im Nachhinein auch als eine sinnvolle Tat heraus, da die Strecke von Athen bis nach Korinth doch länger wird als gedacht. Unser GPS hatte uns am Abend zuvor 80 km vorhergesagt, doch am Ende des Tages haben wir über 100 km auf dem Buckel. Doch darüber sind wir keineswegs genervt, denn die erste Etappe hat einiges zu bieten!

Endlich am Meer!

Ein gekenterter Frachter, dem sich wohl niemand annehmen wollte.

Zunächst müssen wir auf einer autobahnähnlichen 6-spurigen Straße den ersten Berg bis zur Küste überwinden. Dies ist kein Hochgenuss, hat dafür aber umso mehr Abenteuer-Karakter 😀 Danach werden wir aber bis auf wenige Ausnahmen mit einer bilderbuchartigen Küstenstraße bis nach Korinth belohnt.

Herrliche Küstenstraße mit wenig Verkehr.

Als sich der Tag dann dem Ende neigt und wir weder bei Cousurfing eine Zusage erhalten haben noch einen geeigneten Campingspot in den nächsten Kilometern vermuten, machen wir uns auf die Suche nach einem Campingplatz. Und tatsächlich, werden wir direkt an unserer Route fündig! Dort liegt direkt am Meer gelegen der idyllische Campingplatz Blue Dolphin, wo wir um diese Jahreszeit nur leider fast die einzigen Gäste sind. Doch davon lassen wir uns nach so einem Tag nicht beirren und kochen uns im Sonnenuntergang ein leckeres Abendessen.

Abends beim Kochen auf dem Campingplatz.

Malerische Aussicht vom Campingplatz in Richtung Korinth.

Achso und übrigens, für alle die daran interessiert wo wir uns gerade befinden und welche genaue Strecke wir gefahren sind, dies könnt ihr euch unter „Route & Standort“ auf unserem Blog genau ansehen   🙂

Von Touris und Touring

Nach der Ankunft in Athen mussten wir ersteinmal die Stadt bestaunen.. deshalb ein kleines Päuschen in der Berichterstattung 😉 Für alle, die schon in Athen gewesen sind, mag es nichts neues sein, doch wir waren sehr erstaunt, dass die Stadt selbst als (ausdauernder) Fußgänger gut zu erschließen ist. Deshalb sind wir in den beiden vollen Tagen in der Stadt nicht mit dem Rad unterwegs gewesen.

Donnerstag: Nach erholsamen sechs Stunden Schlaf sind wir voller Tatendrang. Ohne zu zögern entschließen wir uns dazu, den Touristenmagneten schlechthin zu besuchen – die Acropolis. Den Beginn der Bauarbeiten am Friedrichsplatz in Kassel haben wir in der letzten Woche interessiert mitverfolgt und die größe des Kunstwerks (sowohl in Kassel als auch in Athen) ist sehr beeindruckend. Der Preis für einen Besuch auf dem Berg ist allerdings auch beeindruckend.. als Nichtstudent zahlt man 20€ Eintritt. Die Aussicht über die Stadt entschädigt dann aber alles! Ähnlich wie in viele mediterrane Stätdten ist auch in Athen sehr dicht gebaut mit wenig grün…

Die Aussicht ein Stück unterhalb des Gipfels ist auch schon sehr beeindruckend..

Durch die Altstadt schlendern wir zurück zum Hotel, unterwegs finden wir bei einem der vielen Imbisse im Fußgängerviertel eine Falafel zum Mittagessen. Wir befinden uns zwar in einem anderen Land, doch in der Stadt zu sein bewirkt bei uns ein Gefühl von Unwirklichkeit. Es gibt zwar jede Menge Unterschiede zu Deutschland, wirklich anders ist das Feeling aber noch nicht..

Nach einer kurzen Mittagspause machen wir uns daran, die Räder auszupacken und wieder Reisetauglich zu machen.. das ist weniger aufwändig als zunächst angenommen. 😀 Also auf zu einem Internetcafé ein paar Straßen weiter. Leons kurz vor knapp errungenes Navi muss noch mit dem Kartenmaterial, was wir vor der Abreise über Komoot erstellt haben, bestückt werden. Zum Glück klappt alles reibungslos, sodass wir das Touriprogramm entspannt fortsetzen können. Zum Parlament, in einen sehr schönen Sonnenuntergang hinein. Vor dem Parlament haben sich ein paar Straßenkünstler aufgebaut und machen Musik, sprayen Bilder und verbreiten eine gute Stimmung.

Den Abend lassen wir gemütlich ausklingen, indem wir schonmal ein bisschen Fahrradtourfeeling verbreiten. Auf dem Balkon von unserem Hotelzimmer packen wir den Campingkocher aus und kochen Wildreis mit einer schmackhaften Gemüsesoße.. noch in der Luxusvariante 😉 

Freitag: Heute wird ein Pressetag. Um neun stehen wir auf der Matte und begrüßen ein Filmteam vom hessischen Rundfunk. Zur documenta14 in Athen wird einiges an Videomaterial gesammelt, unter anderem auch ein Einblick von unserer Tour, der im Juni ausgestrahlt werden soll. Danach machen wir uns auf den Weg, um den zweiten Berg zu erklimmen – Lavikatos. Auf gut Glück laufen wir in Richtung Berg und finden einen schönen Aufstieg mit vielen Wildblumen und einer immer großartigeren Aussicht. Unterwegs begegnen wir einem älteren Mann, der ganz gut deutsch sprechen kann. Er erzählt uns, er habe auf dem Berg die Vegetation erforscht und über 600 verschiedene Arten entdeckt – wie er meint, so viele wie nirgendwo sonst auf der Welt auf so einer kleinen Fläche – darüber lässt sich vermutlich streiten.

Oben auf dem Berg finden wir nicht die erwartete Moschee, ( wie auch immer wir darauf gekommen sind? 😀 ) sondern eine christliche Kapelle. Den Ausblick genießend unterhalten wir uns mit einem Paar aus Italien und Estland sehr nett über unsere Tour – Er ist selbst Fahrradmechaniker und beide sind schon Radtouren gefahren. Eine coole neue Begegnung!

Am Nachmittag treffen wir uns noch mit Madlin. Sie kommt aus Deutschland, studiert in Athen und arbeitet dort nebenbei bei einer deutschen Zeitung, für die wir ein Interview geben. Obendrein bekommen wir ein Paar Insidertipps für Orte in der Stadt, die wir besuchen sollen. Leider reicht die Zeit nicht mehr für alles aus, aber wir spazieren durch das Viertel nahe unserem Hotel (Psyri), das wir bisher nicht näher in Augenschein genommen haben. Sehr viele Graffitis, noch mehr Bars, Cafés und Restaurants und unglaublich viele Menschen gibt es hier. 

Um den letzten Abend würdig ausklingen zu lassen, setzen wir uns in ein kleines Lokal, in dem wir eine Menge grichischer Spezialitäten aufgetischt bekommen – sogar ganz ohne Fleisch! Danach geht es wieder ins Hotel, packen und letzte Vorbereitungen treffen…

Athena, du schöne Stadt

Wir sind angekommen! Nach einigem hin und her sogar ziemlich problemlos, wenn man bedenkt, dass wir zwei große Kartons mit Fahrrädern mit uns führen.. Die Pedalen abgeschraubt und der Lenker umgeklappt, gut eingepackt in Luftpolsterfolie und Pappe – definitiv zu viel Aufwand, jetzt noch die Räder reisetauglich zu machen. Immerhin ist es kurz vor zwei Uhr Ortszeit- eine Stunde Zeitverschiebung.

Aber von vorn! Der Tag beginnt einigermaßen gemütlich und dennoch angespannt. Beide sind wir dabei, die letzten Sachen einzupacken, zum zigsten Mal am überlegen, ob nicht doch etwas fehlt… 

Zum Nachmittag hin geht es dann wirklich endlich los! Mit dem Stattauto (Carsharing in Kassel – sehr zu empfehlen 😉 ) werden allemann eingesammelt und es geht in die Megametropole Calden, wo der Kassel Airport zu Hause ist. Zur documenta14 sind von dort aus Flüge nach Athen eingerichtet worden, von denen wir einen ergattern konnten – hierbei ist zu erwähnen, dass uns das Reisebüro Wimke (am Ständeplatz in Kassel) den Flug gesponsert hat! Dafür sagen wir herzlichst DANKE! 

In bester Laune auf dem Parkplatz vom Kassel Airport! Die Räder auf den Karren und ab geht die Post!

Begleitet von unseren Familien und Freunden (viele Grüße an den Lars 😀 ) checken wir am Flughafen ein und geben unser Sondergepäck ab – auch hierfür danken wir, und zwar dem Kassel Airport, welcher die Kosten dafür getragen hat! 

Glücklich angekommen vor dem Schalter im Airport Kassel.

Prominente Fluggäste sind nicht nur wir heute – höhö kleiner Scherz 😀 – nein wir treffen auch auf unseren Oberbürgermeister der Stadt Kassel, Bertram Hilgen, der ebenfalls in documenta-Mission unterwegs ist!
Auf den Rollfeld zusammen mit Oberbürgermeister Bertram Hilgen 😀

Ab in den Süden! Die Sonne geht allerdings gerade hinter uns unter 😀

Der Flug verläuft problemlos und wir kommen guter Dinge in Athen an. Schnell das Gepäck holen – die Fahrräder, die in Calden noch DIE Attraktion waren, werden uns jetzt wortlos abgestellt… Ein interessanter aber verständlicher Wandel. 😀

Vor dem Flughafen stoßen wir auf das erste Problem. Da dieser ein ganzes Stück außerhalb der Stadt liegt, muss man zunächst ein Taxi auftreiben. Also steuern wir ein paar Vans an, die bereit stehen, um uns mit so viel Gepäck zum Hotel zu fahren. Zu früh gefreut… Stolze 100 Euro werden von uns verlangt, gut, es ließe sich auf 80 herunterhandeln. Trotzdem zu teuer, da versuchen wir unser Glück bei den normalen Linienbussen. Der erste Bus ist hoffnungslos überfüllt, utopisch, dort mit den großen Kartons unter zu kommen. Beim nächsten haben wir dann Glück. Und was für welches! Zwar anfangs schräg beäugt, lässt uns der Busfahrer die ca. 50-menütige Tour mitfahren. An der Endhaltestelle dürfen wir im Bus bleiben, da uns rettenderweise angeboten wurde, noch ein Stück weiter, bis kurz vor unser Hotel zu fahren! Was für ein Luxus! Obendrein wartet der Fahrer mit dem Bus solange, bis wir in zwei Etappen sowohl das ganze Gepäck, als auch die Fahrräder zum Hotel getragen haben! Das ist die Erste von hoffentlich vielen wunderbaren Begegnungen, auf die wir auf unserer Tour hoffen!

Nach Zweifeln, ob wir nicht am Flughafen übernachten müssen, um immense Kosten zu sparen, haben wir doch noch einen Weg in die Stadt gefunden!

Unser Hotel ist erreicht! Besser hätte es nicht laufen können und obendrein werden all unsere Zweifel über die Qualität des Zimmers, welches wir für die kommenden Tage sehr günstig gebucht haben, sofort ausgelöscht. Wir bekommen alles unter, es ist sauber, wir haben sogar einen Balkon! Was will man mehr? Genau: Schlafen… nach diesem sehr schönen, anstrengenden Tag sind die Betten sehr willkommen! 

Wir bedanken uns jetzt schon bei euch allen! Die Nachrichten und Kommentare sind sehr ermutigend! Wir freuen uns riesig auf die nächesten Wochen.. Fortsetzung folgt 😉

Aufbruchstimmung

Im zwei Tagen ist es endlich soweit! Dann nehmen wir den Flieger gen Süden nach Athen 😀 Wir können es kaum erwarten unsere Pläne nach der langen Vorbereitung endlich in die Tat umzusetzen. Letzte Dinge werden besorgt, alle sieben Sachen werden zusammen gepackt und natürlich werden die Räder flugtauglich gemacht. Dabei gilt, je mehr Polsterung desto besser…

Das dürfte reichen 😀