Von Mevrovo und entspanntem Fahren #Tag 13 und 14

Wow, was haben wir schon für Berge hinter uns gelassen! Allein in Albanien sind wir über 7000 Höhenmeter gefahren… Kein Wunder also, dass das nicht spurlos an uns vorrüber gegangen ist.

Donnerstag: Es ist 7 Uhr morgens, der Wecker klingelt und wir haben wenig Motivation aufzustehen. Die gestrige Etappe sitzt uns in den Knochen und Vincent ist ein wenig angeschlagen. Obendrein ist es nocheinmal deutlich kälter geworden und der Regen hat sich in Schnee verwandelt. Wir lassen uns viel Zeit beim zusammen packen und frühstücken. Es gibt Müsli mit einem ordentlichen ‚Fruchtcocktail‘, wie Vincent so schön sagt. Unsere Sachen sind über Nacht gut getrocknet, worüber wir bei den heutigen Temperaturen von 3°C nur heilfroh sind.

Die Aussicht von unserem Zimmer über der Tankstelle..

Gegen 10 Uhr überwinden wir uns dann endlich, auf die Räder zu steigen und nachdem wir einen Abstecher bei einer mazedonischen Sparkasse gemacht haben, wo wir uns mit Denar (en?) eindecken, führt uns unsere Route in Richtung Norden.

Nach der Raiffeisenbank in Albanien begrüßt uns in Mazedonien die Sparkasse.

Die Schneebedeckten Berge schüren in uns die Erwartung, dass wir heute noch einen Schneemann bauen können. Daran haben wir in Griechenland, bei teilweise über 30 Grad in der Sonne, noch nicht gedacht. Wir fahren kontinuierlich leicht bergauf, doch immer eine gut asphaltierte Straße entlang. Links und rechts von uns heben sich die Berge immer weiter, doch wir fahren immer an einem Fluss hinauf. Schon sind wir im Mavrovo-Nationalpark angelangt!

Das Eingangstor zum Mavrovo Nationalpark.

Mavrovo ist ein großenteils gut geschütztes Naturschutzgebiet, in dem sogar Bären und Luchse leben. Von denen bekommen wir leider nichts zu sehen, denn wir fahren weiterhin auf der einzigen gut ausgebauten Staße durch dieses Gebiet. Die Alternative wären ähnliche Schotterpisten gewesen, wie wir sie vor zwei Tagen schon ausgiebig ausgekostet haben. Trotz wenig Tierwelt ist die Landschaft jene, an der man sich nicht sattsehen kann. Wie eine Art Canyon.

Da wir von den niedrigen Temperaturen ausgelaugt und schon wieder hungrig sind, beschließen wir nach 20 Kilometern schon unseren Boxenstop einzulegen. Sämtliche Orte entlang der Straße liegen allerdings ein gutes Stück höher, weshalb mal wieder Strampeln angesagt ist – die heutige Etappe ist trotzdem nichts im Vergleich zu den albanischen Bergen. Während wir einkaufen und essen, fängt es an ein bisschen mehr zu schneien. Neben uns liegt eine Schule, weshalb ein reges Treiben herrscht.

Ohne Bewegung wird uns ziemlich kalt, weswegen wir uns bei einem Kaffee im Red Caffe aufwärmen. Direkt daneben liegt sehr einfallsreich das Blue Caffe.

Statt dem Regen von gestern, bekommen wir heute ganz leichte Schneeflocken ins Gesicht, was durchaus angenehmer ist. Dennoch wird uns nicht kalt, da wir weiterhin steigen. Trotz eines ausgeschriebenen Nationalparks, liegt überall Müll am Straßenrand. Das Bewusstsein für den Naturschutz ist hier nur bei den wenigsten angekommen. Immerhin sehen wir ein Auto, in dem zwei Männer zumindest die Getränkedosen und Plastikflaschen aufsammeln. (Vermutlich für den Pfand? Ob es den hier gibt, sind wir uns nicht sicher.) 

Die Schlucht, durch die wir fahren, ist teilweise über 100 Meter tief und aus den Steilhängen links und rechts plätschern mal kleinere und mal größere Wasserfälle hinunter, die den Fluss neben uns speisen.

Vom Stausee in Debar aus, erreichen wir guter Dinge den Mavrovosee (ebenfalls aufgestaut), an dem sogar ein Skigebiet liegt, was wir uns aufgrund der weißen Berggipfel lebhaft vorstellen können. Die Schneegrenze reicht jedoch nicht auf 1300 Meter hinab, sodass wir die 15 Kilometer Abfahrt vor uns ohne Probleme genießen können.

Der Stausee vor der Stadt Debar..
Im Nationalpark finden wir den Mavrovosee, in den Bergen dahinter befindet sich sogar ein Skigebiet.

Nach einer sehr schönen Abfahrt, für die wir noch zwei Jacken extra angezogen haben, befinden wir uns in einem kleinen Örtchen nicht weit von Gostivar und genießen das bisschen Sonne, was durch die Wolken dringt. Von hier aus haben wir morgen noch ungefähr 70 bis 80 Kilometer bis nach Skopje, wo wir den zweiten Pausentag einlegen wollen. Also sparsames Programm, weshalb wir uns nach einer Übernachtungsmöglichkeit umschauen. Direkt neben uns steht ein sehr schick aussehendes Hotel direkt an der Straße. Vincent fragt kurzerhand nach, in der Erwartung, wegen zu teurer Zimmer weiterfahren zu müssen. Wir kommen jedoch für umgerechnet 20 Euro in einem sehr luxuriösen Doppelzimmer unter und haben sogar eine eigene Dusche! Wir hätten zwar gerne irgendwo das Zelt aufgeschlagen, doch um zu vermeiden, richtig krank zu werden, siegt heute die Vernunft. (Wir hören in Gedanken schon das erleichterte Aufseufzen unserer Eltern.) 

Ein paar Nudeln gekocht, setzten wir uns aufs Bett und schauen nach einer gefühlten Ewigkeit den ‚Tatort‘, was wir uns schon länger mal vorgenommen hatten. Da fühlt man sich fast wie zu hause…

Freitag: Ausschlafen ist angesagt! Den Schongang eingelegt, starten wir in den neuen Tag… Wir haben das Frühstück mitgebucht, was wir uns jetzt schmecken lassen. Ganz anders als sonst, ist dieses zur Abwechslung mal herzhaft. Es gibt Omelette und eine Nudelsuppe. 

Es ist schon 11 Uhr, als wir mit gepackten Rädern aufbruchbereit sind. Das ist kein Problem, denn es geht fast kontinuierlich bergab. Wir fahren eine recht unspektakuläre, aber gut asphaltierte Straße durch relativ dicht besiedelte Gegend entlang, bis wir Tetovo erreichen. Unterwegs kommen wir an vielen Moscheen vorbei, darunter auch die erste, die mit einem Baugerüst versehen ist.

Gefühlt steht hier an jeder Straßenecke eine Moschee. Überall ragen Minaretttürme empor und des öfteren sind die Gebetsrufe eines Muezzins zu hören. Das lässt uns wieder klar werden, dass wir noch weit von zu Hause weg sind. Das Motel, in dem wir genächtigt haben, hätte uns das beinahe vergessen lassen, denn vong der Einrichtung her hätte es auch überall in Deutschland stehen können.

Wir finden in Tetovo einen Supermarkt und einen Bäcker (das ist nicht schwer, denn alles ist damit zugepflastert) und wir setzen uns auf eine Art Platz, der sehr belebt ist mit Menschen, allerdings auch mit Autos zugeparkt ist. Wie es der Zufall will, spricht uns ein Mann auf deutsch an, wo wir herkommen. Er hat 11 Jahre in Waldau (Kassel) gearbeitet und erzählt uns von seinen Erfahrungen dort. Scheinbar sind ca. 80% dieser Ecke der Stadt schon in Deutschland gewesen oder sprechen deutsch, da dort und in anderen Ländern in Westeuropa deutlich bessere Arbeitschancen existieren. Das Gespräch wendet sich ins politische und er klagt über die hohe Verschuldung und die Korruption der Regierung. Seine Kinder hätten hier keine Zukunft und denken darüber nach, ebenfalls ins Ausland zu gehen. Außerdem zeigt er auf den Berg neben uns, auf dem eine Burgruine zu sehen ist. Genau dort habe der Krieg gegen den Kosovo begonnen, weshalb er zurück nach Mazedonien gekommen sei. Für uns ist es kaum vorstellbar, an dem Ort zu sein, an dem vor wenigen Jahren noch Kämpfe gewütet haben. Die Spuren sind hauptsächlich in Form von Friedhöfen zu sehen, von denen es hier eine Menge gibt.

Leider müssen wir weiter, nachdem wir über eine Stunde zugehört haben. Geschichten wie diese haben wir bisher erst wenige gehört, denn überall wo viele Touristen entlang kommen, wie in Mavrovo oder auch Skopje, wie wir erfahren haben, scheint es den Menschen deutlich besser zu gehen. Bei der restlichen Bevölkerung kommt allerdings bisher nichts davon an.

Das erfahren wir am eigenen Leibe, als wir nach Skopje hinein fahren, nachdem wir unspektakulär an einer Autobahn entlang gefahren sind (direkt daneben führt eine kleinere, weniger befahrene Straße parralel entlang). 

Links die Autobahn, auf der wir zum Glück nicht langfahren müssen.. trotzdem kein Highlight unserer Route.

Überall stehen prunkvolle Bronzestatuen und Denkmäler – die Gebäude im Stadtkern sind höchstmodern und stehen denen in anderen großen Städten der Welt in nichts nach. Etwa ein drittel der gesamten mazedonischen Bevölkerung lebt in der Hauptstadt, da sie sich hier -gut vorstellbar – bessere Chancen erhoffen.

Mehrere Kilometer geradeaus geht es auf einem bestens ausgebauten Fahrradweg entlang in Richtung Stadtmitte.

Wir finden unser Hostel recht schnell und laden erleichtert unsere Sachen ab. Leider können wir hier nur eine Nacht bleiben, da für morgen schon alles ausgebucht ist.. das haben wir nicht erwartet, doch im näheren Umfeld gibt es noch mehrere andere Hostels, weswegen wir uns an diesem Abend wenig Gedanken darüber machen. Für uns zählt jetzt nur noch Essen und Schlafen. Nicht weit vom Hostel  (Shanti-Hostel) finden wir den Italiener, der uns empfohlen wurde und es gibt sehr leckere Pizza.

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