Vom Touri zum Donauradler #Tag 42 und 43

Auf Budapest haben wir uns beide sehr gefreut und hatten hohe Erwartungen an die Stadt. Natürlich haben wir uns auch hier viel zu viel Programm für viel zu wenig Zeit ausgesucht. Das Dilemma von so vielen schönen Städten… es fällt uns nicht leicht, alles mehr oder weniger oberflächlich abzuklappern. In Wien und Prag haben wir mehr Zeit eingeplant.

Freitag: Der Abend gestern war sehr schön, doch sind wir mal wieder sehr müde ins Bett gefallen. Heute morgen sind wir jedoch wieder sehr motiviert und wollen durch die Stadt bummeln. Nachdem wir ein einfaches Frühstück gegessen haben, wollen wir zunächst in ein Elektronik-Geschäft gehen, um uns nach einer neuen Actioncam umzusehen und eine Sponsoranfrage zu machen. Jedoch ist diese wenig erfolgreich, da keiner der Läden, in denen wir fragen die Erlaubnis dafür geben kann. Überall müssen Emails verschickt werden, was bei einem so kurzen Aufenthalt in der Stadt aber zu lange dauert. Also lassen wir das fürs erste links liegen und widmen uns dem Touriprogramm. Da wir uns gestern eine 24-Stunden-Karte für den ÖPNV gekauft haben, müssen wir nicht alle Strecken zu Fuß zurück legen, doch wir laufen trotzdem ziemlich viel.

Die Matthiaskirche mit einem beeindruckenden Dach aus bunten Keramikziegeln.

Auf mehr oder weniger direktem Weg gelangen wir vom Einkaufszentrum zur Matthiaskirche, die auf einem der Hügel gelegen von weitem sichtbar ist. Wir steigen auf den Turm hinauf, von wo wir einen unglaublichen Blick auf die ganze Stadt werfen können. Erstaunlich wenig Leute sind hier oben, da es zum einen Eintritt kostet und zum anderen über 200 Stufen eine enge Wendeltreppe hinauf geht.

Der Vorplatz der Matthiaskirche, verschönert mit einer Mauer und vielen kleinen Türmchen.. die Aussicht ist auch hier schon gigantisch, doch wird dafür ebenfalls zur Kasse gebeten.
Oben auf dem Kirchturm.. die Aufsicht steigt täglich vier Mal hinauf und hinab – auch so kann man sich fit halten.
Der Blick auf das gigantische Parlamentsgebäude…

Die Distanzen sind spürbar weiter als beispielsweise in Zagreb oder selbst Athen, weshalb wir die Route sehr genau wählen müssen. Von der Kirche laufen wir an der Präsidentenresidenz vorbei (momentan laufen große Renovierungsarbeiten) zur Festungsanlage, in der sich jetzt eines der unzähligen Museen befindet, an denen wir leider vorbeigehen müssen. Sooo viel anderes gibt es zu sehen…

Den Hügel hinab laufen wir, dann fahren wir mit der Straßenbahn ein Stück am Fluss entlang zur großen Markthalle. Tatsächlich vergeht kaum ein Augenblick, in dem man nicht mindestens eine Bahn, einen O-Bus, normalen Bus oder sogar die Elektrovariante sieht. Ein wunderbar ausgebautes Netz (hinzu kommt noch die U-Bahn). 

In der Markthalle wird man von einer Fülle an Essbarem erschlagen… Im Erdgeschoss befindet sich der gewöhnliche Markt mit Obst, Gemüse und allem drum und dran. Geht man jedoch eine Etage höher, tummeln sich die Menschenmassen vor diversen Imbissen mit sehr leckerem Essen! Da Marlen und Lena uns gestern den Tipp gegeben haben, dass man hier sehr gute Langos essen kann, probieren wir die natürlich aus. Diesmal nicht nur klassisch mit Rahm und Käse, sondern auch süß mit Nutella und Banane.

Den engen Raum bestens ausgenutzt… Da sich so viele Leute auf die Langos stürzen, sind sogar mehrere Schlangen nötig, um die Massen bewältigen zu können.

Gut gesättigt laufen wir ein Stück weiter am Fluss entlang, an sehr schönen Gebäuden, modernen Galerien und natürlich Cafés. Dann wird uns der Weg doch zu weit und wir fahren mit der Bahn bis zur Synagoge, die wir gestern Abend in beleuchtetem Zustand schon bestaunt haben. Als wir jedoch dort ankommen, stellen wir enttäuscht fest, dass die Synagoge schon geschlossen ist. Immerhin sparen wir jetzt den teuren Eintritt.

In Ermangelung eines Fotos von der Synagoge bei Tag..

Da wir jetzt noch Zeit haben, fahren wir mit der zweitältesten U-Bahnlinie der Welt zum Heldenplatz, wo wir gestern Abend schon gewesen sind. Dahinter befindet sich ein Park mit einem schönen Schloss, was wir uns genauer ansehen wollen.

Die schmuckvollen alten Ubahn-Stationen heben sich deutlich von den neueren ab.

Die Burg gelegen im Park hinter dem Heldenplatz.

Da unser Ticket bald ausläuft, fahren wir in die Nähe von Victors Wohnung (unserem warmshowers-host) und setzen uns in ein Café nahe der Donau. Dort lassen wir die Eindrücke des Tages ersteinmal sacken und widmen uns dem Blog. 

Als es schon dämmert, merken wir wie spät es geworden ist und begeben uns zu unserer Unterkunft. Victor ist nicht da, weshalb wir etwas simples kochen und wieder ziemlich spät schlafen gehen.

Samstag: Bereits um halb sechs Uhr morgens werden wir von Victor geweckt, der sich von uns verabschiedet. Er hat viel vor an dem heutigen Tag und macht sich deshalb schon früh los. Wir versuchen noch etwas zu schlafen, doch so richtig will es nicht mehr gelingen. Um neun Uhr packen wir dann alle unsere Sachen zusammen und hinterlassen es so, wie wir es vorgefunden haben. Mit dem kleinen Unterschied, dass wir Viktor als kleinen Dank die Hälfte einer Olivenölflasche da lassen, die andere Hälfte haben wir uns in eine kleinere Flasche für unterwegs zum kochen umgefüllt.

Die Räder stehen wieder abfahrbereit im Flur, es kann weiter gehen Richtung Nordwesten.

Auf unseren heutigen To-do Liste steht noch ein Eintrag in das Tagebuch von Anne Frank. Da wir aber schon spät dran sind, suchen wir nicht gezielt nach einem Buchladen oder ähnlichem in Budapest und machen uns nach einem späten Müslifrühstück auf den Weg die Donau entlang. Wir hoffen noch darauf, auf der Strecke einen Buchladen in einer kleineren Stadt auffinden zu können.

Frühstück im Schatten, es hat sich schon wieder gut aufgewärmt.

Auf dem Weg aus der Stadt hinaus fahren wir an einigen Plattenbauten vorbei, die uns sehr an die Plattenbauten aus Erfurt erinnern, welche wir vor zwei Monaten auf unserer Probetour gesehen haben. Das DDR-Regime hatte hier offensichtlich auch einen nicht zu unterschätzenden Einfluss.

Plattenbau par excellence.

Unsere Strecke führt uns zu Beginn direkt an der Donau auf einem mal mehr mal weniger gut ausgebauten Radweg entlang. Da heute Samstag und bestes Wetter ist, könnte man fast meinen es sei Critical Mass, so vielen Radfahrern begegnen wir. Leon meint, „das sind mir hier schon fast zu viele Fahrradfahrer“. Ein echtes Luxusproblem, wo wir uns doch in den letzten Wochen zeitweise Gleichgesinnte an unserer Seite sehr gewünscht haben. Eine willkommene Umstellung auf mehr Fahrradverkehr! Jedoch sind die meisten der Radfahrer Leute, die einen Tagesausflug machen, wir sehen kaum andere Radreisende wie uns. Doch das soll sich an diesem Tag noch ändern.

Auf einem schönen Deich direkt an der Donau, hier ein kleiner Seitenarm der Donau oberhalb von Budapest.

Wo es Leon teilweise etwas stressig findet, den vielen anderen Radfahrer um sich herum auszuweichen, genießt Vincent den Trubel und das vorbeischlängeln an fahrenden Rädern. Die Strecke bleibt bis zum Mittag sehr abwechslungsreich und wird keineswegs langweilig. Von Asphalt, über Waldweg bis staubigen Feldweg ist alles dabei.

Auch durch dichten Wald führt uns der Donauradweg.

Obwohl wir erst spät gefrühstückt haben, wollen wir nicht allzu spät Mittag essen, damit nicht der ganze Tag nach hinten verschoben ist. So suchen wir gegen zwei Uhr in einem kleinen Ort einen Supermarkt auf und machen uns über ein großes Brot und diverse Aufstriche her.

Für jeden ca. ein halbes Kilo Brot, genug Kraftstoff für die zweite Tageshälfte.

Nach einem gescheiterten Versuch einen Buchladen in diesem kleinen Ort zu finden, machen wir uns mit der Hoffung in Esztergom noch einen geöffneten zu finden weiter auf den Weg. Wenige Meter nachdem der neu ernannte Kameramann Leon den 3000. Kilometer feierlich filmerisch begleitet hat, treffen wir auf zwei Radreisende. Natürlich halten wir an und tauschen uns über Herkunft und Route aus. Es stellt sich heraus, dass die beiden Franzosen auf ihrer einjährigen Reise nach Malaysia morgen die 3000 km knacken werden und genau wie wir bereits 6 Wochen auf dem Rad sind. Was es für ein Zufall! Wir unterhalten uns noch eine Weile sehr nett miteinander, doch leider müssen wir in die entgegengesetzen Richtung weiter. So verabschieden wir uns und wünschen einander noch eine gute Reise, mit dem kleinen Unterschied, dass die Franzosen noch ein paar Kilometer mehr vor sich haben.

Eine tolle Landschaft kurz vor der Grenze zur Slowakei.

Wenige Kilometer später fährt lustigerweiße schon wieder ein schwer bepackter Franzose telefonierend an uns vorbei. Doch er ist so abgelenkt, dass er uns kaum wahrnimmt und nicht anhält. Schade, wenn man auf einer Reise so beschäftigt ist, dass man selbst während dem Radfahren telefonieren muss, finden wir. Kurze Zeit später kommen wir auch schon nach Esztergom, wo wir schon von weitem die riesige, für diesen Ort sehr bekannte Basilika erblicken.

In einer recht kleinen unscheinbaren Stadt wirkt diese riesige Kirche auf den ersten Blick ein wenig Fehl am Platz.

Hätten wir nicht vorher gewusst, dass dieser überschaubare Ort früher einmal die Hauptstadt Ungarns war, wäre uns das riesige Gotteshaus hier etwas komisch vorgekommen. Diese Kirche hier ist anscheinend sogar die drittgrößte Kirche Europas, wie auch immer man diese Größe gemessen hat. Was fest steht, es ist eine wahrhaftig gigantische Kirche! Da es bereits nach fünf Uhr ist, müssen wir leider feststellen, dass schon alle Buchläden der kleinen Stadt geschlossen haben. So fragt Vincent mehr verzweifelt als geplant einen Passanten, ob er das Buch kennen würde und nicht einen kleinen Eintrag hinein schreiben würde. Doch leider Fehlanzeige. Da wir aber noch heute die Grenze zur Slowakei übequeren wollen, müssen wir auf jeden Fall noch einen Eintrag bekommen, wo wir es doch bis jetzt in jedem Land irgendwie geschafft haben. So haben wir die Idee, in dem Souvenirshop der Basilika nachzufragen. Die beiden älteren netten Damen kennen das Buch leider nicht, wollen uns aber unbedingt weiterhelfen. Als ob sie sehen würden, wie dringend wir noch einen Eintrag brauchen. So ruft eine der beiden jemand anderes aus der Kirche an und reicht Vincent schließlich den Hörer. Und wir haben Glück, an der Leitung ist eine gut englisch sprechende Frau, die obendrei auch noch das Buch kennt! So läuft Vincent quer durch die ganze Kirche zu ihr und findet sie tatsächlich. Sie muss etwas verdutzt sein, als ein Radfahrer in kurzer Kleidung, Sandalen, zersaustem Haar und einem Anne Frank Tagebuch ankommt. Doch schnell ist unser Projekt erklärt und schon haben wir unseren ungarischen Satz im Buch stehen.

Strahlend kommt Vincent mit einem Satz mehr aus der Kirche heraus.

Was für ein Glück wir mal wieder hatten und was für unglaublich nette und hilfsbereite Menschen uns in unserer „Not“ weiter geholfen haben. Es tut wirklich gut, mal wieder so eine herzliche Begegnung zu haben. Nun ist es schon nach sechs Uhr und wir machen uns die letzten Meter den Berg runter zur Brücke, die uns auf die andere Seite der Donau in die Slowakei bringt.

Leider mit Gegenlicht, doch im Hintergrund links oben kann man das Grenzschild erahnen.
Von der Brücke aus haben wir nochmal eine tollen Blick auf die Basilika.

Angekommen in der Slowakei fällt uns ein, dass morgen Sonntag ist und wir uns diesmal besser eindecken sollten. So kaufen wir schon mal fürs Frühstück ein und fahren ein kurzes Stück aus dem Ort heraus. Gegenüber einer Fabrik entdecken wir ein kleinen Feldweg, der mit Bäumen etwas abegeschirmt von der Straße liegt. Ein perfekter Campingplatz für die Nacht. So schlagen wir zurerst das noch etwas nasse Zelt zum trocknen auf und fangen dann an zu kochen. Heute gibt es mal ein richtig besonderes Gourmetdinner, Couscous mit einer Kichererbsen-Zuchini-Erdnuss Soße. Mit bestens gefüllten Mägen legen wir uns wenig später ins Zelt zur Ruhe, als es leicht anfängt zu regnen.

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