Naturgewalten in Serbien… #Tag 28 und 29

So nah an einer Grenze haben wir wohl beide noch nicht übernachtet.. Die Drina bildet nicht nur heute die Grenze zwischen Bosnien und Serbien, sondern bildete auch einen Teil der Grenze zwischen dem westlichen und östlichen römischen Imperium, wie uns die netten Herren im gestrigen Café erzählt haben. Es ist gewaltig, wie weit die Spuren der Römerherrschaft reichen…

Freitag: In einem erstaunlich trockenen Zelt wachen wir auf. Heute Nacht hat es wieder einmal gewittert, wovon wir aber nur recht wenig mitbekommen haben. Vom Fluss her ist dichter Nebel aufgestiegen, der leider auch wieder unser Zelt durchnässt. Deshalb hoffen wir auf so gutes Wetter wie gestern und packen Schlafsäcke, Luftmatratzen und das Zelt erneut in nassem Zustand ein.

Außer plattem Gras hinterlassen wir keine Spuren auf dem Feld.

So früh, wie noch selten auf der Tour, fahren wir heute los. In einem kleinen Laden kaufen wir Joghurt (sehr flüssig) und lassen uns auf einer Mauer vor einem schön gepflegten Garten fürs Frühstück nieder. Der Hausbesitzer erbarmt sich dann, und lädt uns ein, auf seiner Terasse Tisch und Stühle zu benutzen. Das nehmen wir gerne an.

Erst Zubereitung des Frühstücks auf der Mauer und dann die Einnahme auf der schönen Terasse im Hintergrund.

Den Wind im Rücken und eine Fahrbahn, die eben ist, das wünscht sich jeder Radfahrer! Es ist leider noch sehr bewölkt, jedoch hindert uns das nicht, mit 25km/h und mehr die Landstraße entlangzubrausen. 

Immer wieder überqueren wir diese Bahngleise. Man glaubt es kaum, aber diese Gleise sind noch in Betrieb! Wir können unseren Augen auch kaum glauben, als uns ein Güterzug mit gefühlt 20 km/h entgegen kommt.

Die Landschaft ist wenig einladend, ab und an sind jedoch schmuckvolle Kirchen zu betrachten. An einer von ihnen halten wir an, um sie von Innen zu begutachten. Als wir auf den Innenhof fahren, kommt sogleich der Pfarrer und seine Frau heraus. Beide sprechen eine gut verständliche Mischung aus deutsch und englisch, auf der sie uns die Fresken an den Wänden erläutern. Es ist eine der vielen orthodoxen Kirchen in Serbien und zum Abschied bekommen wir beide ein kleines Holzkreuz an einer Kette geschenkt.

Beglückt von der Freundlichkeit fahren wir weiter. Unser Track führt uns plötzlich von der Landstraße ab. Als der Asphalt nach kurzer Zeit aufhört und in einen Feldweg übergeht, beschließen wir diesmal früh, umzukehren und die Landstraße weiterzufahren, denn auf ein Abenteuer wollen wir uns heute beide nicht einlassen. 

An dieser Stelle beschließen wir lieber frühzeitig umzukehren, zurück zur Bundesstraße.

Nach wie vor in gutem Tempo fahren wir bis nach Šabac (Schabotz), um dort unsere Mittagspause einzulegen. 75 Kilometer sind wir dank herrlichem Rückenwind schon gefahren! Wir bestellen uns jeder eine 50cm Pizza – zusammen bezahlen wir umgerechnet gerade mal 6,50€ – die passen auch geradeso in uns hinein! 😀

Mit so vollen Mägen müssen wir ersteinmal ausgiebig rasten. Es beginnt zu regnen und wir nutzen die Zeit und das WiFi von der Pizzaria, um den neuen Blogeintag hochzuladen. Gegen fünf Uhr brechen wir auf, um noch ein kleines Stück zu fahren. Entlang einer stark befahrenen Bundesstraße geht es von hier in Richtung Belgrad. 

Eine ungemütliche Regenfront kündigt sich an.

Da wir eine Regenfront auf uns zukommen sehen, beschließen wir nach 20 Kilometern anzuhalten und schlagen das Zelt wahllos auf einer Wiese auf. Jedoch sind wir zu spät…  der Wind frischt auf und wir werden von einem Schauer erfasst, während wir das nasse Zelt aufbauen. Es ist definitiv der bisher ungemütlichste Abend. Da der Regen bald aufhört, beschließen wir ein Lagerfeuer zu machen. Nachdem wir über eine Stunde Reisig zu einer ordentlichen Glut verbrannt haben, fangen auch die nassen Äste an zu brennen, sodass immerhin unsere Hosenbeine wieder trocknen.

Leon erblickt ein blaues Stück Himmel am Horizont, da kommt Freude auf!

Ein kleines Wunder, mit langem Atem hat Leon es tatsächlich geschafft mit Reisig und leicht feuchtem Brombeerranken ein kleines Feuer im Nieselregen zu entzünden.

Im Zelt breiten wir unser Abendessen aus. Es ist zwar noch ziemlich feucht, doch wir haben keine andere Wahl. Die Schlafsäcke wärmen auch so noch und darauf kommt es an!

Samstag: Es ist nass.. außen ums Zelt hat sich eine Matschspur gebildet und wir packen mit der Aussicht, heute Abend in Belgrad alles trocknen zu können, sodass wir ganz guter Dinge sind. Ungemütlich sind hauptsächlich unsere Schuhe, in die wir in sehr nassem Zustand schlüpfen.

Der Morgen lässt leider nicht auf baldigen Sonnenschein hoffen.

Um den Spot schnell hinter uns zu lassen, fahren wir ersteinmal ein Stück zum nächsten Supermarkt. Das perfekte Radlerfrüstück gibts heute geschützt an einer überdachten Bushaltestelle. Da heute Samstag ist, sind auch keine Schüler unterwegs, die die letzten Tage zu Hauf auf Busse gewartet haben.

Unsere Reihe der außergewöhnlichen Frühstücksorten erweitert sich um diese verlassene Bushaltestelle.

Den Track haben wir ja gestern schon links liegen gelassen und fahren stattdessen an der Bundesstraße weiter, die an dem Fluss Save entlangführt. In Belgrad mündet dieser dann in die Donau. Wir wissen nicht genau, wie weit es noch bis zur Hauptstadt Serbiens ist, doch wir fahren so oder so recht schnell, da die ganzen Autos nicht gerade eine beruhigende Wirkung haben. Es ist erstaunlich, wie viel schneller man als Radfahrer auf einer stark befahrenen Bundesstraße fährt, als auf einem leeren Radweg. Einen netten Nebeneffekt hat diese Wirkung, wir lassen die Bundesstraße schneller hinter uns.

Wir fahren direkt an einem Kohlekraftwerk vorbei und fragen uns wofür man soviel Energie braucht, wenn doch eine Solarladestation und etwas Spiritus zum leben ausreicht. Natürlich wissen wir im Hinterkopf die Antwort auf diese doch leider zu kurz gedachte Frage…

Auf dem Weg kommen wir an einer in Baugerüst stehenden serbisch-orthodoxen Kirche vorbei und gehen im ersten Moment von einer Renovierung aus. Doch als wir uns die Kirche mitten auf einer grünen Wiese gelegen näher anschauen, stellen wir fest, dass sie sich gerade erst im Bau befindet. Als wir einen Blick hinein werfen und Handschuhe sowie Getränke sehen, sind wir erleichtert, dass es sich nicht um eine Bauruine handelt. Irgendwie begeistert uns diese Kirche, denn erstaunlich selten sieht man, wie eine Kirche in diesem alten Baustil komplett neu errichtet wird.

Weiter fahren wir auf der Bundesstraße, die eine sonst recht unspektakuläre Landschaft um sich herum ihr eigen nennt. Als wir knapp 20 km vor Belgrad sind, wird der Verkehr immer stärker und wir finden glücklicherweise kurz darauf einen kleine Nebenstraße, die uns auch an unser Ziel bringen soll. Entspannt radeln wir bis Belgrad direkt an der Save entlang und treffen auf immer mehr Rennradfahrer. Nun sind wir uns sicher, dass wir die richtige Alternativroute genommen haben!

Doch einen kleinen Nachteil hat die kleinere Straße. Denn unser Versuch ein schickes Foto vor dem Ortsschild zu schießen scheitert kläglich, da wir einfach keines entdecken können. Als wir schließlich am Rand der Metropole einfahren, kommt neben uns ein Rennradfahrer entlanggeschossen, der sich interessiert nach unserer Reise erkundet. Daraufhin meint er, er würde gerade zu einem nah gelegenen Radladen fahren, wir sollten doch einfach mitkommen. Wir versuchen unser bestes, mit unseren 50 Kilo-Kolossen am Carbonflitzer dran zu bleiben und tatsächlich sind wir kurz darauf angekommen. Der sehr freundliche Schrauber vom Fahrradladen erkundigt sich nach unseren Rädern, ob es irgendwas gibt, was repariert werden müsste. Doch uns fällt nichts wirklich ein, nur Vincent kommt auf seine Actioncamhalterung zu sprechen, welche sich bei einer der Mountainbike-Etappen gelockert hat. Schon ein Luxus, dass mit unseren Bikes nach jetzt schon über 2000 km noch nichts großartiges passiert ist! Aber dazu mehr im nächsten Blogpost, wo wir eine kleine Zwischenbilanz veröffentlichen 😉

Der bestimmt beste Fahrradladen in Belgrad, wir haben hier sogar Magura Bremsbeläge finden können!

Beschenkt mit Kleber für die Actioncamhalterung sowie zwei Paar Socken verabschieden wir uns von dem sympathischen Radladen und fahren die letzten Kilometer auf einer Autobahn-ähnlichen Straße ins Zentrum hinein. Der Rennradfahrer von vorhin hatte uns noch gewarnt vor dem wenig fahrradfreundlichen Verkehr und damit hatte er tatsächlich recht. Von jeglicher Art von Fahrradweg gibt es hier keine Anzeichen, doch dafür brausen wir umso schneller in die Innenstadt. Nach einer Stärkung auf dem Bahnhofsvorplatz machen wir uns auf die Suche nach einem Hostel für die nächsten zwei Nächte, was sich nach dem ersten Eindruck des großen Angebots nicht als schwierig gestalten sollte. Leider war zuvor unser wiederholter Versuch, über die Plattform warmshowers einen Gastgeber in der Stadt zu finden, gescheitert. So machen wir uns auf zu einem Hostel, dessen Flyer wir noch aus Tirana mitgenommen hatten. Doch leider ist dieses schon voll ausgebucht, wie wir bei unserem Besuch dort erfahren.

Leider eine Sackgasse, von diesem bereits ausgebuchten Hostel müssen wir weiter ziehen.

Doch wir bekommen einen Tipp für zwei weitere Hostels in der Nähe, wo wir sogleich vorbei schauen. Beim zweiten haben wir dann Glück und es scheint obendrein noch ein ziemliches gemütliches Hostel zu sein. Wir quatieren uns im Mehrbettzimmer ein und packen alle unsere nassen Habseligkeiten zum trockenen im Innenhof aus. Als wir dann schließlich im Zimmer unsere Taschen auspacken kommt ein Mitbewohner rein und seine Begrüßung lässt uns ahnen wie schlimm unser Geruchszustand sein muss: „It smells like fresh roses here“. Ein wenig beschämt über unsere körperliche Hygiene machen wir uns fix auf unter warmes fließendes Wasser und merken wie gut es nach drei Nächten im Zelt tut. Wir haben einen entspannten Abend und lernen viele nette Reisende kennen, denen der Balkan mit seinen unterschiedlichen Facetten genauso gefällt wie uns. Ein langer Tag geht zu Ende und wir legen uns müde in trockene Betten, ein herrliches Gefühl.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s